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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ein  rautazilitischer  Kaläm.

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Wisse,  dass  die  Nöthigung,  nach  Verstandesbeweisen  zu
suchen,  in  der  Unmöglichkeit  liegt,  die  Aussage  der  Propheten
ohne  Weiteres  von  uns  zu  weisen  und  das  Joch  einfach  dadurch ­
  von  uns  abzuschütteln,  dass  wir  erklären:  Wir  wollen
auf  Euch  nicht  hören.  Darum  ist  es  nöthig,  ihre  Zeichen
zu  prüfen.  Der  Weg  dazu  führt  über  den  Beweis,  dass  dies
Wunder  das  Werk  eines  Allweisen  sei,  der  durch  die  Ausführung ­
  desselben  seinen  Gesandten  legitimiren  wollte.  Da  nun
Gott  nicht  sichtbar  ist,  so  kann  er  nur  durch  seine  Werke
für  uns  erkennbar  werden,  weil  diese,  wie  z.  B.  unsere  Körper, ­
  nicht  von  uns  geschaffen  sein  können.  So  sagt  auch  Hiob
(Hiob  16,  29):  ,Aus  meinem  Fleische  erkenne  ich  Gott/  Nunmehr ­
  ist  unsere  Methode  vorgezeichnet:  Zuerst  müssen  wir
das  Geschaffensein  der  Körper  erkennen:  dann  können  wir
daraus  beweisen,  dass  sie  eines  weisen  Schöpfers  bedürfen.
Unmöglich  aber  ist  es  gestattet,  dies  aus  den  Worten  des  Propheten ­
  zu  erhärten,  weil  ja  unser  Wissen  von  der  Glaubwürdigkeit ­
  des  Propheten  ein  posterius  ist  gegenüber  der  Erkenntniss
  von  der  Weisheit  seines  Senders.  Darum  ist  des  Propheten ­
  Wort  nicht  eher  beweiskräftig,  als  bis  wir  den  Schöpfer
erkannt  haben.  Die  Erkenntniss  Gottes  ist  demnach  ,WurzeP,
die  des  Propheten  ,Zweig'.  Dies  zu  ergründen,  ist  die  erste
Pflicht  desjenigen,  dessen  Verstand  bereits  entwickelt/  (Vgl.
Note  III.)
Es  folgt  die  Erklärung  derjenigen  Kunstausdrücke,  von
denen  man  im  Beweise  für  die  nothwendige  Annahme  eines
Schöpfers  Gebrauch  machte.  Es  werden  besprochen  die  Begriffe: ­
  ,Ding‘  (j>tt)  mit  seinen  Abtheilungen  ,existirend‘  und
,nicht-existirend‘,  von  denen  die  erste  wieder  eine  Theilung
in  ,ewig‘  und  ,geschaffen'  zulässt.  Unterschieden  werden  die
,Atome'  von  den  ,Accidenzen'.  Diese  zerfallen  sodann  in  solche,
welche  nur  einen  Moment  andauern,  und  solche,  denen  eine
längere  Dauer  zukommt. 1  Von  den  Accidenzen  werden  besonders ­
  ,Trennung'  und  ,Verbindung',  ,Bewegung'  und  ,Ruhe‘  —
im  Compendium  kurz,  im  Muhtawi  ausführlich  —  behandelt.
Wenn  die  metaphysischen  Subtilitäten,  welche  den  Gegenstand
des  Streites  zwischen  den  Schulen  von  Bagdad  und  Basra  und

1  Vgl.  Maimonides  Moreh  Neb.  I.  73,  7.
            
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