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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

184

Frankl.

a.  1.  Theil:  Das  Einheitsbekenntniss.
t
Die  Offenbarung  für  sich  ist  ungenügend  und  bedarf  der
Stütze  speculativer  Erkenntniss,  welche  ihr  theilweise  sogar
Vorarbeiten  muss.  Der  Prophet,  der  als  Gesandter  Gottes  Träger ­
  der  Offenbarung  ist,  darf  nicht  einzig  und  allein  auf  Grund
seiner  Behauptung  vollen  Anspruch  auf  Glaubwürdigkeit  erheben; ­
  denn  dann  hätte  sein  Gegner  dasselbe  Recht.  Vielmehr
muss  der  Sendling  Gottes  sich  legitimiren  durch  ein  Wunderzeichen, ­
  das  in  einer  Aenderung  der  Naturgesetze  besteht.  Vermögen ­
  wir  das  Wunderzeichen  auf  natürlichem  Wege  zu  erklären, ­
  dann  hat  es  seine  Beweiskraft  verloren.  Desgleichen
verdient  der  Inhalt  dessen,  was  der  Prophet  im  Namen  Gottes
kündet,  nur  dann  geglaubt  zu  werden,  wenn  wir  erkannt  haben,
dass,  wer  ihn  gesandt,  auch  wirklich  unser  Bestes  will,  und
dass  er  nie  und  nimmer  zur  Täuschung  seine  Unterstützung
leihen  würde.  Erst,  wenn  dies  gesichert,  erlangt  das  Wort  des
Propheten  seine  Geltung.  Die  Erkenntniss  der  Existenz,  der
Macht  und  der  Weisheit  des  Schöpfers  muss  daher  unbedingt
vorangehen  der  Prüfung  irgend  einer  prophetischen  Sendung.
Aus  den  Worten  des  Propheten  die  Existenz  und  die  Weisheit ­
  Gottes,  also  die  Grundlagen  für  die  Wahrhaftigkeit  der
Offenbarung  zu  beweisen,  hiesse  in  einem  Zirkel  sich  bewegen
und  könnte  zu  Nichts  führen.  Die  Prüfung  der  Offenbarung
auf  dem  Wege  geistiger  Erkenntniss  führt  aber  auch  zur  Beruhigung ­
  unseres  Herzens.  Gibt  es  ja  verschiedene  einander
widersprechende  Bekenntnisse.  Ein  jedes  hält  sich  für  allein
selig  machend  und  verdammt  die  Bekenner  anderer  Religionen.
Es  ist  daher  die  Prüfung  des  Glaubensinhaltes  für  die  Gemiithsruhe
  eines  Jeden  unerlässlich.  Sonst  unterläge  er  der
Pein  qualvoller  Zweifel.
Ist  nun  das  Wort  des  Propheten  nicht  genügend  zum
Beweise  für  die  Existenz  eines  mächtigen  und  weisen  Schöpfers, ­
  ist  Gott  auch  ferner  durch  die  Sinne  nicht  wahrnehmbar, ­
  dann  gibt  es  nur  Eine  Methode,  die  zur  Erkenntniss  Gottes ­
  führt:  Den  Schluss  aus  der  Schöpfung  auf  einen  Schöpfer.
Kurz  fasst  unser  Autor  alles  bisher  Gesagte  zusammen
in  die  Worte:
            
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