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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ein  mutazilitischer  Kaläm.

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einen  Kaläm  aus  der  Bagdadischen  Schule.  Beispielsweise  heben ­
  wir  einen  bereits  berührten  Punkt  nochmals  hervor:  Während ­
  für  Al-Kabi  (Bagdad)  Wissen  und  Empiinden  Eins  war,
und  ,Gott  ist  ein  Sehender,  ein  Hörender'  nichts  Anderes  bedeutete, ­
  als:  Gott  weiss  alle  sichtbaren  und  hörbaren  Dinge,
trennten  al-Gubbäi  und  Abu-Häsim  (Basrenser)  Empfinden  von
Wissen  aufs  Schärfste,  wiewohl  sie  über  die  Auffassung
und  untereinander  nicht  einig  waren,  und  Beide,  von
ihrem  Standpunkte  betreffs  der  Wesenprädicate  Gottes  ausgehend, ­
  die  Empfindungsfähigkeit  Gottes  mit  ihrem  ganzen  Systeme ­
  in  Einklang  zu  bringen  suchten.  1  Entsprechend  dieser
Differenz  reihte  die  Basrensische  Schule  den  Abschnitt  über  die
Empfindung  wohl  an  den  über  das  Leben,  wie  unser  Autor  es
tliut;  während  die  Bagdadische  die  Empfindung  wohl  in  Einem
mit  dem  Wissen  besprochen  haben  mochte.
An  dem  einen  Beispiele  wollten  wir  blos  zeigen,  dass
sich  kein  Schema  eines  Kaläm’s  aufstellen  lässt,  das  von  sämintlichen
  Mütaziliten  bis  ins  Einzelnste  festgehalten  worden  wäre.
Gleichwohl  ist  der  Gewinn  kein  geringer,  wenn  wir  einmal  ein
vollkommenes  Bild  vom  Kaläm  einer  Schule  gewonnen  haben.
Wir  werden  dann  leicht  im  Stande  sein,  den  Kähmen  vom
gegebenen  Bilde  abzulösen,  und  mit  einem  neuen  Inhalte,  der
sich  aus  sonstigen  Quellen  ergibt,  auszufüllen.
Wir  gehen  nun  an  eine  kurze  Darstellung  des  Inhalts
unserer  Quelle.  Um  unserem  Zwecke,  die  Form  und  den  wesentlichen ­
  Inhalt  des  mütazilitischen  Kaläm’s  in  Einem  zu  beschreiben, ­
  zu  entsprechen,  werden  wir  den  Stoff  nicht  nach
modernen,  wissenschaftlichen  Principien  vertheilen,  sondern
werden  unserem  Autor  auf  Schritt  und  Tritt  folgten,  so  dass
unsere  Mittheilungen  als  ein  Auszug  aus  den  beiden  Werken
Joseph’s  angesehen  werden  können.  Nur  die  wichtigsten  Partien, ­
  welche  charakteristisch  sind  für  die  Stellung,  die  unser
Autor  zum  Mütazila  einnahm,  wollen  wir  im  hebräischen  Texte
sowie  in  der  Uebersetzung  mittheilen,  damit,  so  lange  nicht
die  Schriften  in  ihrer  Totalität  veröffentlicht  sind,  doch  das
Wesentlichste  weiteren  Kreisen  bekannt  werde.
1  Vgl.  Sahr.  a.  a.  0.  S.  85  und  unsere  Bemerkungen  S.  177.
            
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