Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 71. Band, (Jahrgang 1872)

Ein  mutazilitisclier  Kaläm.

177

Wissen  und  Empfinden  seien  Eins  und  es  käme  Gott  für  seine
Empfindungsfähigkeit  kein  neues  Prädicat  zu.  Dasselbe  berichtet ­
  Sahr.  im  Namen  al-Käbi’s,  des  Hauptes  der  Bagdäd’scheu
Mütazila.  ,Gott  ist  ein  und  ein  heisst  blos,  dass
er  alle  sichtbaren  und  hörbaren  Dinge  wisse/  Dagegen
polemisirt  nun  unser  Autor,  und  da  er  dies  oftmals  thut,  so
geht  daraus  hervor,  dass  er  seiner  Gesinnung  nach  zur  Schule
von  Basra  gehört  hat.  Ferner  schrieb  er,  wie  wir  gesehen
haben,  eine  Schrift  ,übev  die  Zustände  des  Schöpfers'  [Thäters]
  oder  ,der  Handlungen'.  Das  Wort  ,Zustände'  lässt
vermuthen,  dass  die  Schrift  im  Sinne  Abu-Häsim’s,  des  Urhebers ­
  der  Zustands-Theorie,  geschrieben  worden  ist.  Was
endlich  am  unzweideutigsten  die  Beziehungen  Joseph’s  zur
Bahsamija  klarlegt,  ist  der  Umstand,  dass  er  iu  einer  später
mitzutheilenden  Stelle  seine  Ansicht  betreffs  der  göttlichen
Wesens-Eigenschaften  stillschweigend  mit  der  The.orie  Abu-Häsim’s
  identificirt  und  sich  gegen  Angriffe  wehrt,  wie  sie  nur
von  Seite  der  Gubbäija  gegen  die  Schule  des  Abu-Häsim
erhoben  werden  konnten  '.
Also  die  Befähigung  Joseph’s,  ein  Wurzelbuch  nach  mütazilitischem
  Muster  zu  verfassen,  wird  man  nach  diesen  Auseinandersetzungen ­
  kaum  mehr  in  Abrede  stellen  können.  Und
es  handelt  sich  nunmehr  lediglich  noch  darum,  ob  unser  Autor
ein  solches  hat  schreiben  wollen.  Die  Worte  unsres  Autors
entheben  uns  jeder  weiteren  Beweisführung.  Gegen  Schluss
des  40.  Capitels  des  Muhtawi  sagt  er,  über  die  Zuverlässigkeit
der  Sendung  Moses  und  deren  ewige  Geltung  habe  er  in  einer
besondern  Abhandlung  gesprochen,  und  fährt  fort:
Und  in  dieser  unserer  Schrift,  obgleich  sie  den  Namen
führt,  d.  h.  ,ein  die  Wurzeln  der  Religion  umfassendes ­
  Buch',  und  die  Principien  des  Zusammenhanges  der  Gesetze ­
  mit  ihnen  und  die  Besprechung  der  Einzelnheiten  derselben ­
  in  diesen  Rahmen  gehören,  so  haben  wir  dennoch  aus
Furcht,  allzu  weitläufig  zu  werden  und  das  gewünschte  Ziel
zu  überschreiten,  uns  darauf  beschränken  müssen,  in  Kürze

Noch  zwingender  stellt  sieh  dies  heraus,  wenn  er  Ein  Mal  und
einander  gegenüberstellt.
1  Vgl.  unten  S.  194  u.  ff.
Sitzb.  d.  pMl.-hist.  CI.  LXXI.  Bd.  I.  Hft.

12
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.