Müller. Zeudstudien. III.
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Z e n d s t u d i e n.
m.
Von
Dr. Friedrich Müller,
Professor an der Wiener Universität.
I. Ueber das Zeichen V
Der in dem Zeichen ^ steckende altbaktrische Laut wird
allgemein (unter andern von Lepsius, Justi, Haug) als ein
seiner Natur, nach langer aufgefasst. Nach meiner Ansicht,
die ich im Nachfolgenden kurz darlegen will, ist jedoch diese
Auffassung eine irrige, da sie mit der Verwendung dieses
Lautes und den Lautgesetzen der eränischen Sprachen sich
nicht in Uebereinstimmung befindet.
Dass man \ als Länge auffasste, dies hat nach meiner
Ueberzeugung darin seinen Grund, dass man es in den meisten
der Fälle, wo es dem altindischen aus as entstandenen 6
gegenüber steht, mit diesem für identisch erklärte. In der
That hat aber das altbaktrische \ mit dem altindischen o gar
nichts zu schaffen.
Dass \ wirklich nicht ein langer, sondern durchgehends
ein kurzer Vocal ist, 1 dies geht aus zwei Fällen hervor,
nämlich erstens aus jenem Falle, wo es indogermanischem a
gegenübersteht, zweitens aus dem Fälle, wo es als erstes Element
der Steigerung von i, nämlich 4, parallel mit kj“ auftritt.
1 Spiegel (Altbaktrische Grammatik, 22) ist geneigt, ? für kurz zu halten,
glaubt aber, dass es auch gelegentlich lang sein könne. Sonderbar muss
man es linden, dass der betreffende Gelehrte a. a. O. 55 zwar ^ zu den
Ancipites rechnet, es aber consequent durch 6 umschreibt.