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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

Müller.  Zeudstudien.  III.

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Z  e  n  d  s  t  u  d  i  e  n.
m.
Von
Dr.  Friedrich  Müller,
Professor  an  der  Wiener  Universität.

I.  Ueber  das  Zeichen  V
Der  in  dem  Zeichen  ^  steckende  altbaktrische  Laut  wird
allgemein  (unter  andern  von  Lepsius,  Justi,  Haug)  als  ein
seiner  Natur,  nach  langer  aufgefasst.  Nach  meiner  Ansicht,
die  ich  im  Nachfolgenden  kurz  darlegen  will,  ist  jedoch  diese
Auffassung  eine  irrige,  da  sie  mit  der  Verwendung  dieses
Lautes  und  den  Lautgesetzen  der  eränischen  Sprachen  sich
nicht  in  Uebereinstimmung  befindet.
Dass  man  \  als  Länge  auffasste,  dies  hat  nach  meiner
Ueberzeugung  darin  seinen  Grund,  dass  man  es  in  den  meisten
der  Fälle,  wo  es  dem  altindischen  aus  as  entstandenen  6
gegenüber  steht,  mit  diesem  für  identisch  erklärte.  In  der
That  hat  aber  das  altbaktrische  \  mit  dem  altindischen  o  gar
nichts  zu  schaffen.
Dass  \  wirklich  nicht  ein  langer,  sondern  durchgehends
ein  kurzer  Vocal  ist, 1  dies  geht  aus  zwei  Fällen  hervor,
nämlich  erstens  aus  jenem  Falle,  wo  es  indogermanischem  a
gegenübersteht,  zweitens  aus  dem  Fälle,  wo  es  als  erstes  Element ­
  der  Steigerung  von  i,  nämlich  4,  parallel  mit  kj“  auftritt.

1  Spiegel  (Altbaktrische  Grammatik,  22)  ist  geneigt,  ?  für  kurz  zu  halten,
glaubt  aber,  dass  es  auch  gelegentlich  lang  sein  könne.  Sonderbar  muss
man  es  linden,  dass  der  betreffende  Gelehrte  a.  a.  O.  55  zwar  ^  zu  den
Ancipites  rechnet,  es  aber  consequent  durch  6  umschreibt.
            
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