Erfindung und Gebrauch der chinesischen Schriftgattungeh.
61
Die Schrift des fliegenden Weiss.
Wang-seng-khien war Gebietender des obersten Buchführers.
Er bildete einst die Schrift des fliegenden Weiss und
versah die Wand des obersten Buchführers mit folgender Aufschrift:
Das runde Gangbare ist eben richtig, die Dinge bestimmen
den Stoff. Uebt man es ohne Aufhören, so überströmt
es. Erhöht man es ohne Aufhören, so strauchelt es.
Zieht man es ohne Aufhören, so wechselt es. Desswegen entfernt
man es, und man soll dieses schnell. In der gegenwärtigen
Zeit sind leider die Belohnungen gleich denen für die gegrabenen
Inschriften zur Rechten der Sitzhalle *.
is m Lieu-khi wurde an der Stelle eines Anderen
zum beständigen Aufwartenden der zerstreuten Reiter ernannt.
Er war von Gemüthsart frei und getraute sich zu sprechen.
Tai-tsung schrieb kunstvoll die Schrift Wang-hi-tschi’s und
verstand sich am meisten auf das fliegende Weiss. Er gab
einst ein Fest für die drei Rangordnungen und die noch höher
Stehenden in dem Thore des ursprünglichen Ivriegsmuthes. Der
Kaiser ergriff den Pinsel und bildete Zeichen des fliegenden
Weiss, mit denen er die Diener beschenkte. Einige, sich den
Wein zu Nutzen machend, wetteiferten, sie aus der Hand des
Kaisers zu nehmen. Khi bestieg den kaiserlichen Sitz, streckte
die Hand aus und nahm sie in Empfang. Alle meldeten an
dem Hofe: Khi hat das kaiserliche Bett erstiegen. Dieses Verbrechen
wird mit dem Tode bestraft. Wir bitten, das Gesetz
vollziehen zu lassen. — Der Kaiser lachte und sprach: Einst
hörte man, dass die Tsie-yü 2 den Handwagen rüttelte.
Jetzt sieht man, dass der beständige Aufwartende das Bett
besteigt.
Tai-tsung beschenkte einst iS Ma-tscheu mit der
kaiserlichen Handschrift. Die Schrift, in fliegendem Weiss
geschrieben, lautete: Der Göttervogel, der Paradiesvogel, die
kalte Wolke verbrauchen gewiss Flügel und Schwingen. Der
1 Das Buch der Sung.
2 Eine hohe weibliche Obrigkeit.