Ueber Trendelenburg's Einwürfe gegen Herbart’s praktische Ideen.
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haupt keinen Zustand hervor, der von dem, welcher schon
war, irgend verschieden wäre. Die Vergeltung schafft nichts,
sie stellt nur wieder her, was durch die That aufgehoben worden
ist. Das mag, meint Trendelenburg, in einer Metaphysik
wie die Herbart’sche, wo alles wirklich Geschehende nur in die
Selbsterhaltung eines mit sich identischen Quäle gesetzt wird,
angehn; da mag jede eingreifende That, sei sie Wohl- oder
Wehethat, als Störerin erscheinen und missfallen. Denn eine
solche ,fasst die Identität und nicht die That mit ihrem
Zweck als das Erste auf;' damit aber sei die harmonische
Betrachtung zu Ende, da der erste Zustand, gegen den sich
die That als Störerin zeige, jene vorausgesetzte ursprüngliche
Identität, keineswegs als ein in sich selbst Harmonisches
brauche gedacht zu werden. Wo eine Wohlthat erwiesen
wird, findet meistens das Entgegengesetzte statt, indem sie
aus der Disharmonie eine Harmonie herzustellen trachte.
,Wäre das reine Princip der Identität der Massstab für das
Missfallen an der störenden That, schliesst Trendelenburg, so
wäre die vis inertiae das Princip der Moral.'
Man sieht deutlich, worin für den Gegner der Stein des
Anstosses liegt. Er ist der ,harmonischen Betrachtung' nicht
abgeneigt; aber da ihm die ,That mit ihrem Zwecke' das Erste
ist, so tadelt er, dass durch die Vergeltung nicht ein harmonischer
Zustand herbeigeführt, sondern nur jener, welcher vor
der That war, wieder her gestellt werden soll, derselbe
möge nun harmonisch oder disharmonisch gewesen sein. Ein
Fortschritt zu Neuem scheint ihm auf diesem Wege, der stets
nur bemüht ist, das Alte wieder herzustellen, unmöglich; das
Missfallen an der That, gleichviel was sie thut, müsste seiner
Ansicht nach die Unterlassung jedes Thuns, die absolute Trägheit
zur Folge haben.
Dem entgegen muss bemerkt werden, dass die ,harmonische
Betrachtung' nicht blos die Herbeiführung eines Harmonischen,
sondern auch die Entfernung eines disharmonischen
Zustandes begreift. Wenn nun das Ausbleiben der Vergeltung
ein solcher ist, und daher durch deren Eintritt beseitigt
wird, so kann man offenbar nicht sagen, dass es mit der ,harmonischen
Betrachtung' zu Ende sei. Es muss also gezeigt werden,
dass der Zustand vor der Vergeltung in der That dis-