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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

Ueber  Trendelenburg's  Einwürfe  gegen  Herbart’s  praktische  Ideen.

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haupt  keinen  Zustand  hervor,  der  von  dem,  welcher  schon
war,  irgend  verschieden  wäre.  Die  Vergeltung  schafft  nichts,
sie  stellt  nur  wieder  her,  was  durch  die  That  aufgehoben  worden ­
  ist.  Das  mag,  meint  Trendelenburg,  in  einer  Metaphysik
wie  die  Herbart’sche,  wo  alles  wirklich  Geschehende  nur  in  die
Selbsterhaltung  eines  mit  sich  identischen  Quäle  gesetzt  wird,
angehn;  da  mag  jede  eingreifende  That,  sei  sie  Wohl-  oder
Wehethat,  als  Störerin  erscheinen  und  missfallen.  Denn  eine
solche  ,fasst  die  Identität  und  nicht  die  That  mit  ihrem
Zweck  als  das  Erste  auf;'  damit  aber  sei  die  harmonische
Betrachtung  zu  Ende,  da  der  erste  Zustand,  gegen  den  sich
die  That  als  Störerin  zeige,  jene  vorausgesetzte  ursprüngliche
Identität,  keineswegs  als  ein  in  sich  selbst  Harmonisches
brauche  gedacht  zu  werden.  Wo  eine  Wohlthat  erwiesen
wird,  findet  meistens  das  Entgegengesetzte  statt,  indem  sie
aus  der  Disharmonie  eine  Harmonie  herzustellen  trachte.
,Wäre  das  reine  Princip  der  Identität  der  Massstab  für  das
Missfallen  an  der  störenden  That,  schliesst  Trendelenburg,  so
wäre  die  vis  inertiae  das  Princip  der  Moral.'
Man  sieht  deutlich,  worin  für  den  Gegner  der  Stein  des
Anstosses  liegt.  Er  ist  der  ,harmonischen  Betrachtung'  nicht
abgeneigt;  aber  da  ihm  die  ,That  mit  ihrem  Zwecke'  das  Erste
ist,  so  tadelt  er,  dass  durch  die  Vergeltung  nicht  ein  harmonischer ­
  Zustand  herbeigeführt,  sondern  nur  jener,  welcher  vor
der  That  war,  wieder  her  gestellt  werden  soll,  derselbe
möge  nun  harmonisch  oder  disharmonisch  gewesen  sein.  Ein
Fortschritt  zu  Neuem  scheint  ihm  auf  diesem  Wege,  der  stets
nur  bemüht  ist,  das  Alte  wieder  herzustellen,  unmöglich;  das
Missfallen  an  der  That,  gleichviel  was  sie  thut,  müsste  seiner
Ansicht  nach  die  Unterlassung  jedes  Thuns,  die  absolute  Trägheit ­
  zur  Folge  haben.
Dem  entgegen  muss  bemerkt  werden,  dass  die  ,harmonische ­
  Betrachtung'  nicht  blos  die  Herbeiführung  eines  Harmonischen, ­
  sondern  auch  die  Entfernung  eines  disharmonischen
Zustandes  begreift.  Wenn  nun  das  Ausbleiben  der  Vergeltung
ein  solcher  ist,  und  daher  durch  deren  Eintritt  beseitigt
wird,  so  kann  man  offenbar  nicht  sagen,  dass  es  mit  der  ,harmonischen ­
  Betrachtung'  zu  Ende  sei.  Es  muss  also  gezeigt  werden, ­
  dass  der  Zustand  vor  der  Vergeltung  in  der  That  dis-
            
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