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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

Ueber  Trendelenburg's  Einwürfe  gegen  Herbart’s  praktische  Ideen.

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Zweck  ist  sonach  rein  ästhetischer  Natur,  gleichviel
welcher  Natur  das  Mittel  sein  mag  und  die  ästhetische  Haltung ­
  der  praktischen  Philosophie  ist  so  wenig  ,durchbrochen/
dass  sie  vielmehr  gerade  hier,  wo  es  sich  um  die  Abwehr  eines
ästhetischen  Missfallens  handelt,  stärker  als  bei  irgend  einer
der  übrigen  Ideen  hervortritt.  Die  Idee,  als  das  unbedingt  Wohlgefällige ­
  und  Missfällige,  wie  es  sich  dem  Zuschauer  darstellt,
bildet  den  Zweck,  zu  dessen  Realisirung  sich  innere  Freiheit,
Vollkommenheit,  Wohlwollen  und  Recht  als  Mittel  verhalten
und  werden  daher  passend  als  Ideen  der  inneren  Freiheit,
der  Vollkommenheit,  des  Wohlwollens  und  des  Rechts,  nicht
aber  selbst  als  innere  Freiheit,  Vollkommenheit,  Wohlwollen
und  Recht  bezeichnet.  Letztere  sind  nicht  selbst  das  unbedingt
Werthvolle,  sondern  sie  erlangen  erst  Werth,  indem  sie  das
Bild  des  unbedingt  Werthvollen  im  Zuschauer  erzeugen  oder
das  des  unbedingt  Unwürdigen  verhindern.
»So  ist  die  Herrschaft  der  Einsicht  über  den  Willen  nur  deshalb ­
  werthvoll,  weil  sie  das  unbedingt  gefallende  Bild  des  Einklangs ­
  zwischen  Einsicht  und  Willen  im  Zuschauer  hervorruft;
das  Grosse,  Reiche,  Wohlgeordnete  wird  deshalb  werthvoll,  weil
•es  ein  verhältnissmässig  grösseres  Quantum  des  Vorstellens  im
Vorstehenden  zu  Stande  bringt;  die  freiwillige  Unterordnung  des
eigenen  Willens  unter  die  eigene  Vorstellung  eines  fremden
Willens  nur  aus  dem  Grunde  werthvoll,  weil  sie  das  wohlgefällige
Bild  des  Einklangs  zwischen  der  Vorstellung  des  Wollenden  von
einem  fremden  Willen  und  dessen  eignem  Willen  im  Zuschauer
hervorruft;  das  Recht  endlich  gewinnt  nur  dadurch  Bedeutung,
weil  es  das  Entstehen  des  missfälligen  Streitanblickes  im  Zuschauer, ­
  so  viel  an  ihm  liegt,  hintanhält.  In  ihren  ästhetischen
Folgen  liegt  die  Rechtfertigung  der  Zustände  im  Einzelnen
und  zwischen  Mehreren,  die  wir  mit  den  oben  angeführten
Namen  belegen  und  die  jeder  für  sich  nur  ein  rein  theoretisches ­
  Interesse,  nicht  seines  Werthes,  sondern  seiner  Entstehung ­
  halber  darbieten  würden.  Theoretisch  betrachtet,  hat  die  Freiheit ­
  vor  der  Unfreiheit,  die  Stärke  vor  der  Schwäche,  die  Güte  vor
der  Bosheit,  das  Recht  vor  dem  Unrecht  nichts  voraus,  hat  der
Freie  wie  der  Unfreie,  der  Starke  wie  der  Schwache,  der  Gute
wie  der  Böse,  der  Gerechte  wie  der  Ungerechte  seine  Geschichte. ­
  Der  Vorzug  des  einen  Theiles  vor  dem  andern
            
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