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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

Ueber  Trendelenburg’s  Einwürfe  gegen  Ilerbart’s  praktische  Ideen.

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der  Besonderheit  der  Richtung  des  letzteren  vorläufig  abgesehn.
  Mit  andern  Worten,  der  fremde  Wille  wird  zwar  nicht
,nackt/  aber  doch  eben  nur  als  fremder  in  Berücksichtigung
gezogen.  Der  ,ideale  Werth'  des  ganzen  Menschen  kann  schon
deshalb  nicht  als  ,Motiv'  des  eigenen  Willens  erscheinen,  weil
es  sich  eben  um  den  Einklang  des  eignen  Willens  mit  der
eignen  Vorstellung  eines  fremden  Willens,  keineswegs  aber
um  das  Motivirtsein  des  eignen  Willens  durch  die  eigene
Vorstellung  eines  fremden  W T illens  handelt.  Letzteres  ist  ein
rein  psychologisches  Verhältniss,  Herrschaft  einer  Vorstellung
über  den  Willen,  Wohlwollen  ein  rein  ästhetisches,  Einklang
des  eignen  Willens  mit  der  eignen  Vorstellung  eines  fremden
Willens.  Es  ist  nun  zwar  gewiss,  dass  dieser  am  sichersten
stattfinden  wird,  wo  die  Vorstellung  eines  fremden  Willens  den
eigenen  motivirt,  d.  h.  verursacht;  aber  es  ist  nicht  ausgemacht, ­
  dass  jener  Einklang  nur  auf  diesem  Wege  entstehen
könne,  und  noch  weniger,  dass  er  nur  dann  gefalle,  wenn  er
auf  diesem  Wege  entstanden  ist.
Vielmehr  findet  hier  etwas  Aehnliches  statt,  wie  bei  der
Idee  der  innern  Freiheit.  Wie  dort  der  wahrgenommene  Einklang ­
  zwischen  eigener  Einsicht  und  eignem  Wollen,  so  gefällt
hier  die  sichtbar  werdende  Harmonie  zwischen  dem  eigenen
Wollen  und  der  eigenen  Vorstellung  eines  fremden  Wollens,
gleichviel  wodurch  in  beiden  Fällen  diese  Uebereinstimmung
hervorgebracht  worden  sei.  Und  wie  die  wirkliche  Herrschaft
der  eigenen  Einsicht  über  das  eigene  Wollen  deshalb  in  zweiter
Reihe  werthvoll  erscheint,  weil  durch  sie  das  in  erster  Reihe
Werthhabende,  Einklang  zwischen  Einsicht  und  Wille  für  den
Zuschauer  am  sichersten  und  häufigsten  vermittelt  wird,  so
wird  auch  hier  die  ursächliche  Motivirung  des  eigenen  Willens
durch  die  eigne  Vorstellung  eines  fremden  Willens  deshalb
Werth  erlangen,  weil  sie  das  wahrhaft  Werthhabende,  den
Einklang  zwischen  eignem  Willen  und  eigner  Vorstellung  eines
fremden  Willens  zur  nächsten  Folge  haben  wird.  Beide,
Herrschaft  der  Einsicht  über  den  Willen  und  Motivirung  des
eignen  Willens  durch  die  Vorstellung  des  fremden  Willens
sind  Mittel  zur  Herstellung  eines  absolut  Beifälligen,  des  Einklanges, ­
  nicht  selbst  Zweck.  Absolut  werthvoll  ist  nur  der
Einklang;  das  Causalitätsverhältniss  zwischen  Einsicht  und
Sitzb.  a.  phil.-hist.  CI.  LXX.  Bd.  III.  Hft.  18
            
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