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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

Ueber  Trendelentourg's  Einwürfe  gegen  Herbart’s  praktische  Ideen.

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Begriff  und  Zweck  zu  bezeichnen,  die  als  solche  verschiedene
Grade  besitzen  können.  In  diesem  Sinn  hat  auch  Hartenstein, ­
  auf  den  Trendelenburg  sich  beruft,  sich  des  Wortes
bedient  und  darum  die  Idee  der  Vollkommenheit  in  Herbart’s
Bedeutung  sammt  der  von  ihr  abgeleiteten  der  Cultur  aus  der
Reihe  der  praktischen  Ideen  bekanntlich  gestrichen.  Der  Begriff, ­
  welchen  Herbart  mit  dem  Worte  verbindet,  geht  wohl
am  deutlichsten  aus  der  Stelle  (A.  a.  0.  VIII.  38.)  hervor:  ,Voll,
heisst  es,  wird  jedes  endliche  Mass  von  dem,  was  seiner
Grösse  gleich  kommt/  Von  den  zwei  mit  einander  verglichenen ­
  Quantis,  die  beide  endliche  sind,  ist  die  eine  das  Mass
der  andern.  Erreicht  nun  das  kleinere  die  Grösse  des  grösseren, ­
  so  kommt  es  seinem  Masse  au  Grösse  gleich,  macht  sein
Mass  voll,  wird  vollkommen.  Es  findet  daher  wohl  Angemessenheit ­
  statt,  aber  nicht  qualitative  an  den  Begriff,  sondern
quantitative  an  das  Mass.  Aber  nicht  diese  gefällt:  vielmehr
sobald  das  Mass  erfüllt  ist,  hört  die  Vergleichung  auf.  Das
grössere  aber,  das  an  dem  kleineren  sein  Mass  hat,  hat  dieses
nicht  nur  erfüllt,  sondern  sogar  übertroffen,  ist  vollkommen
und  mehr  als  dieses.  Das  grössere  Quantum  zeigt  einen  Ueber-.schuss,
  das  kleinere  einen  Rest  mit  seinem  Masse  verglichen.
Jenes  ist  mehr  als  vollkommen,  dieses  unvollkommen.  Das
Vollkommene  dagegen,  d.  h.  das  sein  Mass  Erfüllende,  gefällt
nicht  und  missfällt  nicht,  ist  ästhetisch  indifferent.
Vollkommenheit  ist  daher  der  jeweilige  Grad,  in  welchem
ein  Quantum  sein  Mass  erfüllt;  so  dass  die  Erfüllung  desselben
das  ästhetisch  gleichgültige  Mittel,  das  Mehr  die  Beifälligkeit,
das  Minder  die  Missfälligkeit  bezeichnet.  Der  Name  der  Idee
der  Vollkommenheit  ist  daher  nicht  eben  glücklich  gewählt,
weil  er  zu  dem  Irrthum  verleitet,  dass  diese  als  solche  wohlgefällig ­
  sei,  während  das  eigentlich  Wohlgefällige  ein  Mehr,  das
Missfällige  ein  Minder  als  Vollkommenheit  ist,  mit  dieser
selbst  verglichen.
Festzuhalten  ist  dabei,  dass  nur  von  Quantis  die  Rede
sein  kann,  deren  eines  das  Mass  für  das  andere  bietet.  Wenn
das  Grössere  nicht  an  dem  Kleineren  sein  Mass  fände,  sondern
blos  Mass  für  dieses  wäre,  so  wäre  zwar  ein  Grund  vorhanden, ­
  wesshalb  das  Kleinere  miss-,  nicht  aber  warum  das  Grössere ­
  gefiele.  Erreicht  das  Kleinere  das  Grössere,  d.  h.  wird  es
            
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