Uel)er Trendelenburg's Einwürfe gegen Herbart's praktische Ideen.
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Letzterer Vorwurf trifft nicht blos die Idee der innern
Freiheit, nicht einmal blos die praktische Philosophie, sondern
das ganze System. Ihmzufolge hätte Herbart nicht weit genug
nachgedacht, da er sonst selbst die Isolirung hätte durchbrechen
müssen.
Trendelenburg thut es für ihn. Ilerbart’s praktische Philosophie
bietet für das ,weitere Nachdenken' keinen genügenden
Raum; die ethischen Begriffe hängen ,nun einmal* mit
denen der übrigen Disciplinen zusammen. Um ein recht sinnenfälliges
Beispiel zu geben, mit welcher Unwiderstehlichkeit
eine ethische Frage auf’s psychologische Gebiet hinübergreife,
fährt er fort: ,Unfehlbar wird er fragen, worauf denn die Harmonie
beruht, die solche Macht über den Willen hat' und
fügt hinzu: ,Herbart’s Psychologie muss ihm darauf Antwort
geben, und thut es.'
Die ,Macht der Harmonie über den Willen' heisst an
dieser Stelle eine ,ethische' Frage; zwei Seiten zuvor wurde
die Frage wie es geschehen könne, dass der Wille der Einsicht
entspreche, als eine jener psychologischen Fragen
angeführt, die Herbart als vor der Ethik liegend, übergangen
habe. Es scheint schwierig, dass eine Frage das Gebiet der
praktischen Philosophie durchbreche, wenn sie auf diesem gar
nicht zu Hause ist? Angenommen, das weitere Nachdenken
habe von der Betrachtung jener Macht der Harmonie über
den Willen ,unfehlbar' zu der Frage nach dem Ursprung jener
Harmonie selbst fortgeführt, was hat es Anderes gethan, als
von einer rein psychologischen Frage zu einer andern eben
so rein psychologischen übergeleitet? Dass rein psychologische
Probleme unter einander ,Zusammenhängen', ist nichts
Verwunderliches, auch kaum eine Verläugnung desjenigen
Standpunktes, für den es keine Einheit des Ganzes und Theile
beherrschenden Principes gibt.
Wo von der Macht eines psychischen Vorganges über
den anderen, sowie von dem Ursprünge eines solchen die
Rede ist, befinden wir uns offenbar auf dem Gebiete der
Psychologie. Die Frage, wie es geschehen könne, dass die
Einsicht den Willen beherrsche, ebenso gut wie die weitere,
wodurch das Wohlgefallen am Einklang, das Missfallen am
Missklang verursacht werde, ist psychologisch. Der psy-Sitzb.
<1. phil.-bist. CI. LXX. Bd. III. Hft. 17