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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

Üeber  Trendelenburg’s  Einwürfe  gegen  Herbart’s  praktische  Ideen.

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Wollens  durch  die  Einsicht,  von  Herbart  übergangen  worden
sei,  fällt  damit  hinweg;  denn  die  Einsicht  in  den  Einklang  zwischen ­
  den  Vorstellungen  eines  Wollens  und  einer  Einsicht
sammt  dem  daran  sich  knüpfenden  Wohlgefallen  ist  von  der
Einsicht  in  die  reale  Beziehung  zwischen  dem  wirklichen  Wollen ­
  und  der  wirklichen  Einsicht  ganz  unabhängig.  Auch  die
Frage,  warum  der  Gedanke  des  Zuschauers  Einsicht  und  Wollen ­
  in  eine  Einheit  zusammenzufügen  strebe,  entbehrt  des
Grundes,  nachdem  man  einmal  weiss,  dass  derselbe  nicht  ,die
weitauseinanderliegenden  Endpunkte  zweier  verschiedener  Richtungen/ ­
  sondern  nur  die  einer  und  derselben  Richtung  ungehörigen ­
  ,Gedanken'  einer  Einsicht  und  eines  Wollens  in  Folge
gleichzeitiger  Wahrnehmung  zusammenfasst.
Keineswegs  ist  es  so  ,seltsam/  wie  Trendelenburg  meint,
wenn  Herbart  sagt:  ,strenggenommen  liege  es  nicht  in  der
Idee  der  inneren  Freiheit,  dass  die  Einsicht  das  wirksame,  das
erzeugende  Princip  des  nachbildenden  Wollens  sein  solle/  In
der  Idee  der  inneren  Freiheit  liegt  ,strenggenommen'  nichts
Anderes,  als  die  Forderung  des  Einklanges  zwischen  dem
Inhalt  beider  Glieder  des  ästhetischen  Verhältnisses.  Wie  dieser ­
  Einklang  zu  Stande  komme,  ob  das  eine  oder  das  andere
der  Glieder  Erzeugendes,  das  andere  Erzeugtes,  eines  aktiv,
das  andere  passiv  sei,  ist  eine  Frage,  die  deii  realen  Causalzusammenhang
  zwischen  Wollen  und  Einsicht,  nicht  das
inhaltliche  Verhältniss  der  Bilder  von  beiden  im  Geist  des
zusammenfassenden  Beschauers  betrifft.  Ebensowenig  steht  es
mit  obiger  Bemerkung  im  Widerspruch,  wenn  an  anderer
Stelle  (A.  a.  O.  VIII.  34  und  35.)  als  das  Wesen  der  inneren
Freiheit  bezeichnet  wird,  das  Urtheil  schwebe  über  dem  Wollen,
und  der  Einsicht  entspreche  die  Folgsamkeit.  Abgesehen  davon,
dass  Herbart  in  jener  Stelle  nicht  von  der  Idee,  sondern  von
dem  ,Vernunftwesen'  redet,  in  welchem  dieselbe  verwirklicht  auftritt,
  findet  eher  das  Gegentheil  von  dem  statt,  was  Trendelenburg ­
  will:  nicht  das  Urtheil  bringt  das  Wollen,  sondern,  indem
mit  dem  Sicherheben  eines  Begehrens,  Beschliessens,  im  Vernunftwesen ­
  sogleich  auch  das  Bild  seines  Begehrens  und  Beschliessens ­
  entsteht,  es  erblicken  und  beurtheilen  Eins  ist,
bringt  das  Wollen  vielmehr  das  Urtheil  hervor!  Das  ästhetische ­
  Urtheil  allerdings,  das  der  Idee  der  inneren  Freiheit  zu
            
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