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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

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Z  i  m  m  e  r  m  ;i  n  n.

vereinigt,  so  beginge  er  gegen  sein  eigenes  Princip  eine
Inconseqnenz.  Das  Princip  wäre  damit  allerdings  nicht  widerlegt,
  aber  doch  seine  Anwendbarkeit  in  Zweifel  gezogen.
Sehen  wir  zu!
Die  Antwort  auf  die  Frage,  ob  Einsicht  und  Wille  gleichartig ­
  oder  ungleichartig  seien,  hängt  davon  ab,  was  unter  beiden ­
  verstanden  wird.  Einsicht  und  Wille  als  verschiedene  Seelenvennögcn
  gedacht,  sind  offenbar  ungleichartig;  als  Gedanken ­
  gedacht,  dagegen  ohne  Zweifel  gleichartig.  In  der
zusammenfassenden  Ansicht  des  Zuschauers,  der  Einsicht  und
Mille  mit  einander  vergleicht,  sind  beide  nur  als  Gedanken
d.  h.  als  Bild  einer  gewissen  Einsicht  und  ebensolches  eines
gewissen  Willens  vorhanden.  Als  solche  aber  sind  sie  homogen
und  können  einander  durchdringen.
Es  macht  dabei  keinen  Unterschied,  ob  der  beide  zusammenfassende ­
  Zuschauer  ein  Zweiter  oder  mit  dem  Inhaber  der
Einsicht  und  des  Willens  dieselbe  Person  ist.  Als  unparteiischer
Zuschauer  der  Vorgänge  in  seinem  eignen  Innern  verhält  er  sich
zu  sich  selbst  als  ein  Anderer.  Für  ihn  als  Zuschauer  geben
die  thatsächlichen  Ereignisse  in  seinem  Innern  ein  blosses
Schauspiel  ab,  und  über  die  Form  des  letzteren,  das  wohlgefällige ­
  oder  missfällige  Verhältniss  seiner  Theile,  ergeht  sein
eigenes  ästhetisches  Urtheil.  Die  eigene  Einsicht  und  der
eigene  Wille  sind  so  für  ihn  als  Selbstbeobachter  nur  Gegenstände ­
  der  Wahrnehmung,  als  Selbstbeurtheiler  Objecte  der,  je
nach  dem  Inhalt  der  Wahrnehmung  über  denselben 1  ergehenden ­
  billigenden  oder  missbilligenden  Selbstbeurtheilung.
Der  Einwand  Trendelenburg’s  beruht  auf  der  irrthümlichen
  Voraussetzung,  als  ob  in  dem  Verhältniss  der  inneren
Freiheit  Einsicht  und  Wille  selbst  und  nicht  vielmehr  die
Vorstellung  der  ersteren  und  die  Vorstellung  des  letzteren
(im  Zuschauer)  einander  durchdringen  sollten!  Daher  seine
Klage,  es  sei  bei  demselben  eine  Reihe  psychologischer  Fragen,
als  vor  der  Ethik  liegend,  übergangen.  Denn  wie  es  geschehen ­
  könne,  dass  der  Wille  der  Einsicht  entspreche,  das  sei
bei  der  Gewalt  der  wechselnden  Affecte  an  sich  so  wenig  klar
und  doch  so  wichtig,  dass  jene  Ethik,  welche  auf  Anwendung
sehe,  dieser  Untersuchung  sich  nicht  entheben  könne,  und  tiefsinnige ­
  Bearbeiter,  wie  die  Stoiker,  wie  Spinoza,  gerade  ihr  den
            
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