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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

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UebeivTreiuleleiiburg’s  Einwürfe  gegen  Herbart’s  praktische  Ideen.

Harmonische  gefällt  in  dem  Verhältniss  derselben.  Daher  soll
aus  dem  Inhalt  der  Strebungen  und  Vorstellungen  nichts  abgeleitet ­
  werden.  Die  Evidenz  des  Sittlichen  geht  lediglich  aus
der  Form  des  Einklanges  hervor.
Schon  hier  verbirgt  sich  ein  Missverständnis.  Es  ist
richtig,  dass  Herbart  behauptet,  die  Elemente  des  in  der
ästhetischen  Ansicht  (des  Beschauers)  Zusammengefassten  seien
gleichgiltig,  nur  die  Form,  d.  i.  das  Zusammen  selbst  gefallend
oder  missfallend;  aber  es  ist  ein  Irrthum  zu  meinen,  der  Einklang ­
  sei  nach  Herbart  die  einzige  Form.  Das  harmonische
Verhältniss  der  ästhetisch  jedes  für  sich  gleichgiltigen  Elemente  ist
nur  eines  der  mehreren  gefallenden  Verhältnisse  zwischen  denselben, ­
  so  dass  man  sagen  kann:  jedes  harmonische  Verhältniss ­
  zwischen  ästhetisch  gleichgiltigen  Elementen  gefällt;  allein
keineswegs:  jedes  gefallende  Verhältniss  zwischen  dergleichen
ist  Harmonie.
Nach  dem  Entwurf  der  Idee  der  inneren  Freiheit,  fährt
Trendelenburg  fort,  sollen  Wille  und  Urtheil  einander  entsprechen ­
  und  dadurch  den  Menschen  innerlich  als  ,cin  mit  sich
.selbst  einstimmiges  Ganzes'  darstellen.  Beide  bilden  die  (jedes
für  sich)  gleichgiltigen  Glieder  des  ästhetischen  Verhältnisses,
ihre  Harmonie  die  gefallende  Form.  Aber  die  Glieder  eines
solchen  sollen  nach  Herbart’s  eigener  Forderung  (I J r.  Phil.  S.  W.
VIII.  S.  19.)  gleichartige  sein,  weil  ungleichartige  z.  B.  Farbe  und
Ton,  Ton  und  Gesinnung,  einander  nicht  zu  durchdringen,  hingegen ­
  Ton  und  Ton,  Farbe  und  Farbe,  Gesinnung  und  Gesinnung, ­
  in  einem  Denken  zugleich  vorgestellt,  einander  gegenseitig ­
  so  zu  modiliciren  vermögen,  dass  Beifall  oder  Missfallen
in  dem  Vorstellenden  hervorspringt.  Verhalten  sich  nun,  frägt
Trendelenburg,  Wille  und  Einsicht,  welche  doch  wie  die  Endpunkte ­
  zweier  verschiedener  Richtungen  weit  aus  einander  zu
liegen  scheinen,  so  gleichartig  wie  Gesinnung  und  Gesinnung? ­
  Und  warum  strebt  der  Gedanke  des  Zuschauers  sie
in  eine  Einheit  zurückzuführen?
Es  muss  anerkannt  werden,  dass  sich  mit  dieser  Bemerkung
der  Beurtheiler  auf  den  Standpunkt  des  Beurtheilten  zu  stellen
sucht.  Hätte  Herbart  gleich  in  dem  ersten  seiner  ästhetischen ­
  Willensverhältnisse  wirklich  ungleichartige  Glieder
            
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