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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

Beatus  Rhenanuß.

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soll  später  gezeigt  werden.  In  seinen  Briefen  jedoch  spricht
er  sein  patriotisches  Gefühl  offen  und  uugescheut  aus,  namentlich ­
  in  denen  an  Zwingli.  Besorgt  schreibt  er  am  8.  Mai  1519
an  diesen,  er  habe  aus  einem  Briefe  des  Glarean  erfahren,  der
Franzose  führe  gegen  die  Deutschen  im  Vertrauen  auf  die
Schweizer  Uebles  im  Schilde.  Aber  wir  hoffen,  sein  Vertrauen
werde  umsonst  sein.  Denn  die  Schweizer  werden  ihm  nicht  zur
Unterwerfung  Jener  Hülfe  leisten,  nach  deren  Bezwingung
ihnen  selbst  durch  die  Sieger  Tyrannei  und  Sklaverei  bevorstünden. ­
  Die  Deutschen  aber  werden  sich  gegenseitig  nicht
verlassen,  wenn  sie  klug  sind,  und  den  Franzosen  nicht  herzulassen, ­
  sondern  lieber  abwehren.  Denn,  wenn  dieser  eine
noch  so  kleine  Provinz  erobert  hat,  so  lässt  er  nicht  früher
ab,  bevor  er  nicht  auch  die  Nachbarschaft  unter  seine  Botmässigkeit
  gebracht.  Es  giebt  ein  altes  Sprichwort:  Besser  den
Franken  als  Freund,  denn  als  Nachbarn  haben!  1  Die  Befürchtungen ­
  vor  den  Umtrieben  des  französischen  Königs,  der  durch
eine  Wahlintrigue  deutscher  Kaiser  werden  wollte,  kehren
auch  in  den  nächsten  Briefen  des  Rhenanus  wieder:  ,Von  den
Franzosen'  schreibt  er  am  19.  März  1519  an  Zwingli  ,befürchte
ich  etwas  für  unser  Deutschland.'  Er  erzählt  von  den  Geldsendungen ­
  des  französischen  Königs,  es  ist  nicht  glaublich,  dass
er  umsonst  eine  so  ungeheure  Summe  geschickt  haben  würde,
wenn  er  nicht  dadurch  Deutschland  in  innere  Empörungen
und  Bürgerkriege  treiben  wollte.  Aufmerksam  führt  er  Buch
über  alles  Bedrohliche. 2  Er  bemerkt,  dass  der  Erzbischof
von  Rhegium  Orsini  hier  sei,  der  Empfehlungsbriefe  für  den
König  von  Frankreich  an  die  deutschen  Fürsten  mitgebracht.
Rhenanus  besorgt,  dass  die  Wahl  Karls  durch  den  Papst  unmöglich ­
  gemacht  werde. 3  Er  berichtet  sodann  (am  4.  April
1519)  über  die  Ränke  der  drei  päpstlichen  Gesandten  zu  Mainz,
die  mit  Händen  und  Füssen  (pedibus  ac  manibus)  gegen  Karl
intriguiren  und  fürchtet  einen  wunderbaren  oder  besser  gesagt
bedauerlichen  Erfolg  ihrer  Bemühungen  (mirabilem  eventum,
inio  miserabilem). 4  —  Aus  diesen  Angaben  schon  lässt  sich
1  Zwingli  Opera  VII.  69.
2  Aelinlich  auch  Glarean  (Zwingli  Opera  VII.  76).  C.  loh.  Fab  er  (ibid.  79).
3  ibidem  S.  71.
4  ibidem  S.  73.
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