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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

Beatus  Khenanus.

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Rhenanus  arge  Gefahren  für  die  Grundlagen  der  Gesellschaft,
für  den  Glauben  und  sein  geliebtes  Deutschland  befürchten.
Die  rohe  Anarchie  aber,  die  durch  Erhebungen,  wie  die  von
Münzer  zu  Tage  trat,  die  eckle  ,sentina  rerum',  die  da  aufgewühlt ­
  wurde,  verletzten  seinen  feinen  aristokratischen  Geist;
ein  lebendiger  und  beachtenswerther  Ausdruck  dieser  Gesinnung ­
  ist  der  von  gelungener  Ironie  und  abweisender  Vornehmheit ­
  erfüllte  Brief,  den  Ehenanus  bei  Gelegenheit  des  Bauernkrieges ­
  an  seinen  Freund  Hummelberger  schreibt.  1  Humoristisch ­
  beginnt  er  mit  der  Frage:  ,Nun  Michael,  was  treibst  Du?
Wo  hast  Du  deinen  ehernen  Harnisch,  Deine  Lanze,  Deinen
Schild,  Dein  Schwert,  dass  Du  ruhmvoll  in  der  Schlachtreihe
stehen  kannst  gegen  die  Adeligen,  die  Fürsten?  Oder  fehlst
Du  allein?  Und  bist  Du  nicht  bei  denen,  die  das  Evangelium
mit  den  Waffen  zu  vertheidigen  meinen?'  Doch  er  fallt  bald  aus
dem  Humor  und  wird  heftig  :  ,Die  Verführer  der  Bauern,  jene
Priester,  welche  die  Horden  anführen,  sie  sind  werth,  auf  weit
entfernte  öde"  Inseln  ausgesetzt  zu  werden,  weil  sie  nichts  anders ­
  atlnnen,  als  Aufruhr,  Plünderung  und  Hass  gegen  die
Obrigkeit!'  Rhenanus  verwahrt  sich,  seinen  tüchtigen  Freund
unter  Jene  zu  rechnen,  bemerkt  aber  zugleich  in  demselben
Zusammenhänge:  ,Du  warst  bisher  dem  Luther  geneigt,  wie
alle  Guten,  welche  einsahen,  dass  die  Welt  bei  dem  Zusammenbruche ­
  der  Regeln  der  Verbesserung  bedürftig  sei  und
der  Reform  in  vielen  Dingen,  über  welche  jener  Mann  in
—  vielleicht  etwas  zu  scharfen  —  Schriften  das  Volk  belehrte.
Aber  da  die  Sache  zur  Raserei  und  zu  widrigen  und  sinnlosen ­
  Streitigkeiten  gekommen  ist,  weiss  ich,  dass  Du  ein
kluges  Urtheil  fallen  wirst.  Desshalb  ist  es  weniger  von
Nöthen,  Dich  zu  ermahnen,  Dich  so  vorsichtig  und  rückhaltend, ­
  als  möglich  in  dieser  b  eldagens  werthen
Verwirrung  zu  verhalten.'  Ganz  die  Haltung,  die  Rhenanus
fortan  selbst  beobachtet,  Rhenanus,  der  übrigens  schon  um
1521  den  gediegenen  und  offenen  Auseinandersetzungen  seines
Briefes  an  Spalatin  die  Schlussworte  hinzufügte:  ,Cave  hanc
Epistolam  evulges!'  So  recht  charakteristisch  für  Rhenans  ganze
Sinnesart  sind  aber  folgende  Worte  :  ,Ich  vermisse  nun  bei

Ep.  1525.  (Veith  203  ff.).
            
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