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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

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Hör  a  w  i  tz.

hardin  Samson,  über  die  Rhenanus  und  sein  ganzer  Kreis
sich  ergötzen,  aber  auch  entrüsten.  ,Man  gibt  den  Anführern*
schreibt  Rhenanus  an  Zwingli,  ,Ablassbriefe  für  die,  welche  im
Kriege  fallen  sollten.  Welch’  ein  freches  und  päbstlicher  Legaten ­
  unwürdiges  Benehmen!  Was  wird  man  endlich
noch  ersinnen,  damit  sich  Italien  uns  e  r  es  G  eldes
  bemächtigen  könne?  Doch  betrachte  ich  diese  Dinge
nicht  als  lächerlich,  sondern  eher  als  beweinenswerth.  Denn  es
gibt  nichts,  was  mich  mehr  kränket,  als  dass  ich  das  christliche ­
  Volk  mit  nichtssagenden  Ceremonien,  ja  vielmehr  mit
leeren  Possen  beschwert  sehe.  Und  ich  sehe  dafür  keinen  andern ­
  Grund,  als  dass  die  Priester,  durch  jene  Summa-Nachbeter
und  Sophisten  getäuscht,  eine  heidnische  und  jüdische  Lehre
vortragen.  Ich  spreche  von  der  Masse  der  Priester.  Denn  es
ist  mir  nicht  verborgen,  dass  Du  und  Deinesgleichen  dem  Volke
die  reinste  Lehre  Christi  aus  den  Quellen  selbst  vortragen,
nicht  die  durch  seotistische  und  gabrielische  Interpretationen
verdorbene,  sondern  die  aus  dem  Augustinus,  Ambrosius,  Cyprian, ­
  Hieronymus  gründlich  und  rein  dargethane.  Jene  aber  leiern
jene  Possen  von  einem  Orte  herab,  wo  das  Volk  Alles  für
wahr  hält;  über  die  päbstliche  Gewalt,  über  den  Ablass,  über
das  Fegefeuer,  über  erlogene  Wunder  der  Heiligen  (Divorum),
über  die  Restitutio,  über  die  Contracte,  Gelübde,  über  die
Strafen  der  Hölle  und  den  Antichrist.  Ihr  aber  zeigt,  wenn  ihr
vor  dem  Volke  sprecht,  die  ganze  Lehre  Christi  kurz  und  wie
auf  einem  Bilde.  Ihr  zeigt,  dass  Christus  desshalb  in  die  Welt
gesandt  worden  sei,  damit  er  uns  den  Willen  seines  Vaters
verkündige,  damit  er  uns  zeigt,  dass  man  diese  Welt,  d.  i.
Reichthum,  Ehren,  Herrschaft,  Lüste  und  dgl.  verachten,  das
himmlische  Vaterland  aber  aus  ganzer  Seele  suchen  solle,  damit ­
  er  uns  Friede,  Eintracht  und  jene  schöne  Gemeinschaft
aller  Dinge  (Gütergemeinschaft?)  —  denn  nichts  anders  ist
das  Christenthum  —  lehre,  welche  einst  Plato,  werth
den  grossen  Propheten  beigezählt  zu  werden  in  seinem ­
  Staate  geträumt  zu  haben  schien/  Hat  Rhenanus
eben  gegen  Rom  gesprochen,  wie  einst  Walther  von  der  Vogelweide ­
  und  der  Zeitgenosse  U.  v.  Hutten,  so  begegnen  wir
im  weiteren  Verlaufe  der  mönchischen  Aeusserung:  ,Christus
ward  in  die  Welt  gesandt,  um  uns  die  thöriehten  Neigungen  zu
            
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