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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

ßeatus  Rhenanüs.

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lingen,  die  als  gute  Hirten  angesehen  werden  wollten,  zusammen. ­
  In  seinem  ersten  biographischen  Versuche,  in  dem  Leben
des  von  ihm  so  sehr  verehrten  Predigers  Geiler  beschrieb
er  nämlich  ganz  objectiv  mit  wenigen  Worten  den  Sittenverderb ­
  in  dem  Strassburger  Nonnenkloster.  Dazu  wurden  in
demselben  Schriftchen  noch  andere,  den  Verfechtern  des  hierarchischen ­
  Systems  bedenklich  erscheinende  Aeusserungen  ausgesprochen. ­
  Es  konnte  den  Priestern  nicht  angenehm  klingen,
wenn  der  junge  Humanist  über  die  ,ungeheuere  Unwissenheit
der  jetzigen  Theologen  in  göttlichen  und  menschlichen  Dingen'
klagte  und  jene  mit  dem  Esel  der  Fabel  verglich,  der  nur  deshalb
von  den  Vorübergehenden  mit  Ehrenbezeugungen  gefeiert
wurde,  weil  er  Heiligthümer  trug.  Und  auch  der  epigrammatische ­
  Schluss:  Aber  was  nützt  es  den  Mohren  zu  waschen  ?
konnte  nicht  versöhnen,  um  so  weniger,  als  schon  am  nächsten
Blatte  ein  neuer  Ausfall  gegen  die  Geistlichen  folgte,  welche
das  Erträgniss  ihrer  reichen  Pfründen  für  Dirnen  und  ihren
Gott,  den  Bauch,  vergeuden.  1  Ueber  jene  Beschuldigung  erhoben ­
  die  Nonnen  und  ihre  Beschützer  einen  solchen  Lärm,  dass
ohne  Intervention  einflussreicher  Männer  jedesfalls  die  Klage
gegen  Rhenanus  nach  Rom  abgegangen  wäre.  Die  Verdammung ­
  des  Ketzers  von  dorther  war  gewiss,  das  Schicksal
Reuchlin’s  drohte  auch  dem  Rhenanus.  Doch  liess  sich  dieser
durch  all’  das  Gerede  und  die  Gefahr  nicht  einschüchtern,  seiner ­
  Ueberzeugung  auch  fernerhin  unerschrockenen  Ausdruck  zu
geben.  An  den  kirchlichen  Verhältnissen  nimmt  er  fortan  das
lebhafteste  Interesse,  er  gehört  in  Basel  mit  zu  denen,  die
gegen  die  Anhänger  der  Scholastik  und  den  Obscurantismus
ankämpften,  sogar  als  er  der  Pest  wegen  Basel  1519  verlassen,
lässt  er  sich  durch  seinen  Famulus  über  die  religiöse  Bewegung ­
  daselbst  und  über  die  Verfolgung  der  classisehen  Studien
und  ihrer  Lehrer  durch  die  ,Sophisten'  referiren.  2  Schon  früher ­
  aber  nimmt  er  an  dem  Reformationswerke  des  ihm  eng
verbundenen  Zwingli  den  innigsten  Antheil.  Zwingli  gibt  Rhenanus ­
  Nachrichten  von  dem  Treiben  des  Ablasskrämers  Bern-1

  Vita  Geileri  (fol.  a.„  a. 3 )
2  Vergl.  Brief  des  Burer  (1519.  6.  December.)  bei  Fechter  Bomfaeius
Amerbacb.
Sitzb.  d.  phil.-liist.  CI.  LXX.  Bd.  III.  Hft.  15
            
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