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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

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Horawitz.

als  ,Einen  der  Gelehrtesten  in  Deutschland'  1  rühmen  hören. ­
  Zu  lange  würde  es  aufhalten,  alle  die  Kosenamen  -
und  panegyrischen  Ausdrücke  aufzuzählen,  mit  denen  Rhenanus ­
  von  seinen  humanistischen  Freunden  und  Bekannten  bedacht ­
  ward,  das  ruhige  Wort  des  Cuspinian  3  aber,  das  ihm
unter  den  Gelehrten  seiner  Zeit  nicht  den  letzten  Platz  anweist ­
  und  ihn  einen  Mann  von  glänzender  Eloquenz  und  nicht
zu  verachtender  Gelehrsamkeit  nennt,  mag  hier  seine  Erwähnung ­
  finden.
Der  Tod  des  Vaters  setzte  Rhenanus  nun  auch  in  den  Besitz ­
  des  Familienvermögens,  nachdem  er  schon  früher  durch  die
Beerbung  seines  Oheims  Reinhard  Kegel  (um  1515) 4  zu  gesicherten ­
  Finanzverhältnissen  gelangt  war.  So  war  Rhenanus
durch  seine  völlig  befestigte  wirth  schaftliehe  Position  in  der
Lage,  unbekümmert  um  materielle  Sorgen,  abziehende  Anstellung ­
  und  Berufsthätigkeit  sich  einzig  und  allein  der  Wissenschaft ­
  widmen  zu  können.
Die  Pest  und  die  Streitigkeiten  vertrieben  ihn  —  so  sagt
Erasmus  —  aus  Basel.  Es  waren  dieselben  Kämpfe  zwischen
den  Anhängern  der  kirchlichen  Reform  und  den  Freunden  der
alten  Ordnung,  die  dem  Bonifaz  Amerbach  so  viel  Kummer  bereiteten, ­
  5  die  auch  Rhenanus  aus  Basel  ziehen  Hessen.  Mied
ja  auch  Erasmus  nunmehr  diesen  Ort  und  eilte  nach  Freiburg!

1  Urbanns  Rhegius  nennt  ihn  so  in  seinem  Buche  de  dign.  sacerd.  1519.
2  Z.  B.  der  in  diesem  ^Punkte  überhaupt  sehr  freigebige  Z  a  s  i  u  s.  Epp.
S.  .3,  8,  281,  284,  294,  414,  u.  s.  w.
'  in  Sext.  Ruf.  S.  13.  vir  nostrae  aetatis  inter  doctos  non  postremus  S.  64.
nitidae  eloquentiae  vir  et  liaud  eontemnendae  doctrinae.
4  Auunculus  Renardus  Kegelius  sacerdos  bona  sua  ei  testamento  ad  patris
bona  addidisset,  sagt  Sturm  in  der  Vita  S.  60.  Die  Grabschrift  bei
Grandidier  1.  e.  beweist  aber,  dass  Kegel  schon  fünf  Jahre  vor
Antonius  Rhenanus  gestorben,  sie  ist  von  Beatus  verfasst  und  lautet:
R.  K.  sacerdoti  dum  vixit  graviter  hilari  et  liilariter  gravi,  suaqne
contento  Sorte  et  quam  operum  negligenti  tarn  amauti  tranquillitatis  B.
Rh.  ex  sorore  nepos  auunculo  bonae  memoriae  posuit.  ob.  aetate  affeeto
MDXV  non.  Martiis  sub  praecipitem  seneetutem.
5  Vgl.  Fechter  Bonifaz  Amerbach  S.  213  ff.
            
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