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Ii o r a w i 11.
für den Freund einzutreten, ihn — sogar überschwänglich —
zu preisen. Nachdem er nämlich seine Geduld und Gemüthsruhe
gelobt, sagt er: ,Geht mir weg mit Eurem Rühmen des
Sokrates, 1 weil dieser sich einst von irgend einem Kerl in’s
Gesicht spucken Hess, ohne zu zürnen. Ist es nicht
noch viel grösser, so bittere Schimpfreden, womit ein verworfener
Lästerer (!) nicht nur das Gesicht, sondern den
Ruf des reinsten Mannes begeifert hat, hinzunehmen, ohne
mit Schmähung zu entgegnen/ 2 Es ist begreiflich, dass Beatus
sich dem grossen Freunde in dessen Anschauungen
vielfach unterordnete, hat er ihn ja sogar in der Form
häufig nachgealimt. 3
Von einem Freunde wie Erasmus musste Beatus die
grösste wissenschaftliche Förderung erwachsen, dazu kam noch
der rege Verkehr mit Zwingli, Frohen, den Amerbachen,
Oekolampad, Gelenius, Zasius und vielen Anderen,
von dem weiter unten ausführlich die Rede sein soll. Der Verkehr
mit den vielen und gelehrten Männern, die mit Rhenanus
in Correspondenz traten, ward vornehmlich durch den langen
Aufenthalt im Hause des um die Wissenschaft so hochverdem
er mit grosser Gemigthuung meldet, dass er schon seine Buben zu
Spottversen gegen den Lee anlialte. Hutteni Opera ed. Bücking I. S.
349. Am massigsten drückt sich U. Zasius aus (Epp. 393/4).
1 Erasmus wurde übrigens von U. v. Hutten um 1515 (Opera I. S. 102.)
der deutsche Sokrates genannt.
2 Epist. erudit. virorum de Lei virulentia (bei Miibly a. a. O. S.
231). Ein schönes Geschichtchen von der Genauigkeit und dem Eifer, mit
demRhenanus auch für die Ausstattung derWerke des Erasmus sorgte, erzählt
Mälily (218). Froben hatte nämlich für des Erasmus Hieronymus zu
kleine Lettern gewählt. Das Geschreibe von Betrügern und anderen
Lumpen, schreibt da Ehenanusj wird immer aufs sorgfältigste gedruckt,
und aufs schönste ausgestattet, während den gediegenen Werken der Gelehrten
keine Spur von Sorgfalt zu Tlieil wird. Ist es nicht genug, dass
diese schon in den Verhältnissen des äusseren Lebens kümmerlich genug
jene dagegen auf’s üppigste ausgerüstet sind, nein auch nach dem Tode
in ihren literarischen Denkmalen müssen sie noch die Ungunst des Geschickes
erfahren!
3 Vergl. zum Beispiel die Anwendung der Phrase vom trojanischen Pferd,
dieselben Interjectionen und Epitheta ornantia, dieselben Phrasen, z. B.,
die: animi Christiani est.