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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

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Ii  o  r  a  w  i  11.

für  den  Freund  einzutreten,  ihn  —  sogar  überschwänglich  —
zu  preisen.  Nachdem  er  nämlich  seine  Geduld  und  Gemüthsruhe
  gelobt,  sagt  er:  ,Geht  mir  weg  mit  Eurem  Rühmen  des
Sokrates, 1  weil  dieser  sich  einst  von  irgend  einem  Kerl  in’s
Gesicht  spucken  Hess,  ohne  zu  zürnen.  Ist  es  nicht
noch  viel  grösser,  so  bittere  Schimpfreden,  womit  ein  verworfener ­
  Lästerer  (!)  nicht  nur  das  Gesicht,  sondern  den
Ruf  des  reinsten  Mannes  begeifert  hat,  hinzunehmen,  ohne
mit  Schmähung  zu  entgegnen/ 2  Es  ist  begreiflich,  dass  Beatus ­
  sich  dem  grossen  Freunde  in  dessen  Anschauungen
vielfach  unterordnete,  hat  er  ihn  ja  sogar  in  der  Form
häufig  nachgealimt.  3
Von  einem  Freunde  wie  Erasmus  musste  Beatus  die
grösste  wissenschaftliche  Förderung  erwachsen,  dazu  kam  noch
der  rege  Verkehr  mit  Zwingli,  Frohen,  den  Amerbachen,
Oekolampad,  Gelenius,  Zasius  und  vielen  Anderen,
von  dem  weiter  unten  ausführlich  die  Rede  sein  soll.  Der  Verkehr ­
  mit  den  vielen  und  gelehrten  Männern,  die  mit  Rhenanus
in  Correspondenz  traten,  ward  vornehmlich  durch  den  langen
Aufenthalt  im  Hause  des  um  die  Wissenschaft  so  hochverdem

  er  mit  grosser  Gemigthuung  meldet,  dass  er  schon  seine  Buben  zu
Spottversen  gegen  den  Lee  anlialte.  Hutteni  Opera  ed.  Bücking  I.  S.
349.  Am  massigsten  drückt  sich  U.  Zasius  aus  (Epp.  393/4).
1  Erasmus  wurde  übrigens  von  U.  v.  Hutten  um  1515  (Opera  I.  S.  102.)
der  deutsche  Sokrates  genannt.
2  Epist.  erudit.  virorum  de  Lei  virulentia  (bei  Miibly  a.  a.  O.  S.
231).  Ein  schönes  Geschichtchen  von  der  Genauigkeit  und  dem  Eifer,  mit
demRhenanus  auch  für  die  Ausstattung  derWerke  des  Erasmus  sorgte,  erzählt
Mälily  (218).  Froben  hatte  nämlich  für  des  Erasmus  Hieronymus  zu
kleine  Lettern  gewählt.  Das  Geschreibe  von  Betrügern  und  anderen
Lumpen,  schreibt  da  Ehenanusj  wird  immer  aufs  sorgfältigste  gedruckt,
und  aufs  schönste  ausgestattet,  während  den  gediegenen  Werken  der  Gelehrten ­
  keine  Spur  von  Sorgfalt  zu  Tlieil  wird.  Ist  es  nicht  genug,  dass
diese  schon  in  den  Verhältnissen  des  äusseren  Lebens  kümmerlich  genug
jene  dagegen  auf’s  üppigste  ausgerüstet  sind,  nein  auch  nach  dem  Tode
in  ihren  literarischen  Denkmalen  müssen  sie  noch  die  Ungunst  des  Geschickes ­
  erfahren!
3  Vergl.  zum  Beispiel  die  Anwendung  der  Phrase  vom  trojanischen  Pferd,
dieselben  Interjectionen  und  Epitheta  ornantia,  dieselben  Phrasen,  z.  B.,
die:  animi  Christiani  est.
            
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