Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

204

Horawitz,.

ihm  leicht  werden,  denn  er  sei  ja  sein  ,  Alter  ego‘.  1  Auch  in  seinen
Briefen  spricht  Erasmus  mit  der  grössten  Anerkennung  von
seinem  jungen  Freunde.  In  einem  Briefe  an  Zasius  nennt  er
ihn  schon  um  1514  eruditissimum  nec  minus  facundum,  und
gibt  demselben  (anno  eodem)  die  Nachricht:  Probat  et  Beatus
librum  tuum  (seil.  Compendium). 2  Und  um  1515  schreibt  er  u.  A.
an  Pabst  Leo  X.,  wie  er  von  mehreren  sehr  gelehrten  Männern
in  seiner  Arbeit  über  Hieronymus  unterstützt  werde  und  nennt
da  neben  Reuchlin  auch  Beatus  Ehenanus,  den  er  als  ausgezeichnet ­
  gelehrten  und  ausserordentlich  scharfsinnigen  Jüngling  preist. 3
(In  iudicando  naris  emunctissimae.)  Aber  nicht  blos  diese
geistigen  Gaben  schätzte  Erasmus  an  dem  —  damals  so  heitern
—  Beatus,  er  liebte  ihn  auch  wie  seinen  Sohn.  ,Als  Gesellschafter' ­
  schreibt  er,  ,ist  er  der  Anmuthigste,  denn  wann  lacht
er  nicht?  Ich  will  nicht  gesund  sein,  wenn  ich  je  in  meinem
Leben  einen  zuvorkommenderen  leutseligeren  Charakter,  einen
feineren  Geist  getroffen  habe'.  1  Es  war  ganz  natürlich,  dass
Erasmus  seinem  geliebten  Beatus  Alles  vertraute;  hinreichender ­
  Beweis  dafür  würde  allein  schon  der  um  1518  geschriebene
interessante  Reisebericht  des  letzteren 5  sein.  Für  Dienste,  die
man  dem  Rhenanus  erwies,  war  Erasmus  so  dankbar,  als  ob

1  In  der  Briefsammlung  des  Erasmus  (Opera  Ed.  p.  III.  S.  1).  datirt:
Lovanii  6.  Cal.  Jul.  1520.  Deleetum  atque  etiam  emendandi  jus  tibi
eredidi,  si  quid  inesset  quod  vel  offecturum  famae  meae  videretur  vel
exacerbaturum  vehementer  cujusque  animum.  Nec  dubito,  quin  tu  sedulo
pro  tua  in  nos  benevolentia,  sis  amiei  synceri  functus  officio  ....  Tui
mi  Beate  candoris  erit,  advigilare,  ut  opus  exeat,  quam  minima  mei  nominis
invidia  .  .  .  Hac  igitur  in  re,  te  per  amicitiam  nostram  obtestor  eruditissime
  Beate,  ut  quod  ego  facturus  eram,  si  lieuisset  tu  facias  uere
alter  ego:  atque  omnibus'  modis  sic  agas,  ne  isthic  Erasmus  abfuisse
videatur  Nihil  superest,  nisi  ut  primiun  te  rogem,  at  in  deleetum
animum  istum  uere  amicum  exeras  etc.
2  II.  Zasii  epistolae  ed.  ltiegger  P.  272  und  275.
3  Erasmi  Opera'  III.  67.
4  Mähly  a.  a.  0.
5  Erasmi  Opera  III.  228,  ff.  (Lovanii  1518.)  Vgl.  auch  den  um  1528  geschriebenen ­
  Brief  des  Erasmus  an  Pirkheimer,  P.  Epistolica  S.  281
über  den  Streithandel  des  Erasmus,  in  dem  auch  Ehenanus  eine  Eolle
spielt.  Sed  Beati  ingenio  semper  abusus  est  ad  hujusmodi  dramata,  sagt
Erasmus.  Die  Entscheidung  ibid.  298.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.