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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

Beatus  Rhenanus.

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könne.  Ein  Verlangen  dem  auch  Reuchlin  entsprach.  —  Es
zeigt  für  die  liebenswürdige  Bescheidenheit  des  jungen  Mannes,
der  schon  1508  als  Schriftsteller  aufgetreten  war 1  und  sich  in
seinen  Briefen  als  tüchtiger  Lateiner  erwies,  dass  er  beschloss,
seine  Lehrzeit  zu  verlängern  und  sich  zu  weiterer  Ausbildung
nach  zu  Basel  begeben.  Es  war  ein  sehr  glücklicher,  das  fernere
Leben  und  Wirken  des  Rhenanus  bestimmender  Gedanke!  Denn
hier  traf  er  die  Zierde  der  damaligen  Wissenschaft,  das  Haupt
der  deutschen  Gelehrten,  den  berühmten  Erasmus,  in  ihm
das  leuchtende  Vorbild  für  sein  Streben.  Sehr  bald  entwickelte
sich  die  Bekanntschaft  zwischen  beiden  Männern  zu  einer  echten
Lebensfreundschaft.  Schon  1515  widmet  Erasmus  dem  —  beinahe ­
  um  zwanzig  Jahre  jüngeren  —  Freunde  seinen  Commentar
  zum  ersten  Psalm. 2  Rhenanus  aber  bewies  seine  Freundschaft ­
  durch  die  eifrige  Sorge,  die  er  für  die  Werke  des  Erasmus ­
  an  den  Tag  legte.  Er  war  der  Erste,  welcher  sie  im
Manuscripte  sah,  zuerst  seiner  Kritik  unterzog,  ja  sogar  Druck
und  Correctur  derselben  überwachte. 3  Getrost  überlässt  ihm
Erasmus  die  heikle  Auswahl  und  das  Recht  der  Abänderung
bei  der  Herausgabe  seiner  Briefe  um  1520,  er  kann  nicht  oft
genug  sein  Vertrauen  zu  ihm  äussern  und  beschwört  ihn  bei
ihrer  Freundschaft,  die  Ausgabe  so  zu  besorgen,  dass  man
seine  (des  Erasmus)  Abwesenheit  nicht  bemerke.  Und  das  würde
haben  braucht)  plausibel  macht.  Doch  man  beachte  die  chronologischen
Daten.  1501  stirbt  Crato,  Beatus  wird  Gebweiler  übergeben,  wird  Aufseher
der  kleineren  Knaben,  er  war  damals  schon  16jährig,  kommt  dann,  vielleicht ­
  1502  oder  1503,  nach  Paris,  bleibt  daselbst  —  bis  zu  Sapidus’  Ankunft ­
  drei  Jahre  (also  etwa  bis  1506),  arbeitet  dann  gemeinsam  mit
Sapidus,  gibt  um  1508  die  Briefe  des  Faustus  heraus,  erscheint  um  1509
in  Schlettstatt  (vgl.  I.  Brief  an  Reuchlin)",  um  1511  in  Basel,  wo  er  längere
Zeit,  den  Unterricht  Conon’s  geniessend,  weilte,  —  so  ist  nur  die  Zeit  von
1508  -1510  oder  1511  für  den  Strassburger  und  Sehlettstädter  Aufenthalt
möglich.  Dass  er  um  1510  in  Strassburg  war,  beweist  der  II.  Brief  an
Reuchlin.
1  Nicht  seine  Vita  Geiler’s  (um  1510)  ist  seine  erste  Publication,  wie
man  gewöhnlich  annimmt,  sondern  das  Vorwort  zu  den  Briefen
seines  Lehrers  Faustus  Andrelinus  (vom  August  1508).
2  Adieci  commentarium  in  Psalmum,  Beato  Rhenano  nostro  dedicatum
schreibt  er  um  1522  an  Pirkheimer.  Bil.  Pirkheimeri  Epistolica
p.  272.  Frankfurter  Ausgabe  der  Werke  von  1610,
3  Mähly  a.  a.  O.  217,
            
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