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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

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Hora  witz.

eine  kreisförmige  Gestalt.  Tüchtige  Ziegelmauern  umgaben  sie;
die  Galerien  waren  fast  überall  gedeckt.  In  dem  ergötzlichen
Bestreben  hatte  man  dies  gethan,  um  den  Wachen,  welche  des
Nachts  die  Runde  machten,  Schutz  vor  ,des  Himmels  Unbilden'
bei  ihrem  verantwortlichen  Amte  zu  verschaffen.  Viele  ,nicht
zu  verachtende  Thürrne'  schlossen  sich  an  die  Mauern,  die  ein
mit  reichlich  fliessendem  Wasser  erfüllter  Graben  umgab.  Wälder ­
  rahmten  das  schöne  Stadtbild  ein,  das  Wasser  zahlreicher
Canäle  umfloss  es  in  solcher  Menge,  ,dass  man  glauben  mochte,
in  Holland  zu  sein.'  Wer  durch  das  Ellthor  an  den  Rhein  wandern ­
  wollte,  hatte  vierunddreissig  Brücken  zu  überschreiten.
So  durch  Natur,  wie  durch  Kunst  geschirmt,  bot  das  damalige
Schlettstadt  das  Ansehen  einer  Festung.  Aber  nicht  blos  gesichert ­
  und  volkreich  —  sie  zählte  zweitausend  sechshundert
Communicanten  —  sondern  auch  ziemlich  begütert  war  die
Stadt.  Häufig  landeten  hier  Schiffe,  um  den  guten  Elsässerwein
nach  Strassburg  und  von  da  nach  Niederdeutschland  zu  exportiren,
  was  für  den  Illzoll  ein  nennenswerthes  Erträgniss  abwarf.
Die  Anzahl  der  Kirchen  und  Klöster  war  eine  nicht  unbedeutende, ­
  da  gab  es  Dominicaner,  Franziscaner,  Johanniter,  Benedictiner
  und  die  Nonnen  von  Silo  1  —  fast  alle  lebten  in  stattlichen ­
  Gebäuden.  Für  den  kleinen  Beatus  mochte  aber  die
schöne  Pfarrkirche  mit  ihrem  weithin  sichtbaren  Thurme  den
grössten  Reiz  bieten,  waren  ja  hier  die  Glasfenster  zu  sehen,
die  Kaiser  Friedrich  der  ,Rothbart‘  gespendet 2 .  Und  auch  eine
verwitterte  Fahne  hing  dort  zum  Gedächtnisse  der  muthigen
That  der  Schlettstädter  Bürger,  die  jenes  Banner  um  1444  den
,Armengecken'  auf  deren  Rückzuge  entrissen 3 .  Ueberhaupt
1  Eine  Schlettstädter  Chronik  (Ausgabe  bei  Grandidier,  Oeuvres  inedites,
Colmar  1867.  VI.  S.  347)  bemerkt  über  sie  u.  a.  1246:  ,Bey  dem  Berg  Sil
genannt,  nahe  bei  Rappschweier  wohnten  Kloster  Jungfrauen  S.  Augustini
  Orden.-'  und  berichtet  auch  (wie  Rhenanus  Rer.  German.  1.  S.  156)
von  dem  auf  Kosten  des  Münzmeisters  Hesso  erbauten  Chor  der  Dominicaner. ­

-  Die  Aufschrift  derselben:  Tempore  quo  redijt  superatis  Mediolanis
Nos  rex  Romanus  fieri  jussit  Friedericus.
B.  Rhenanus  1.  c.  156.
3  Auch  J.  Wimpfeling  Rerum  germ.  Ep.  52,  spricht  mit  grosser  Anerkennung ­
  von  dieser  That  und  bezeichnet  —  wie  Rhenanus  1.  c.  S.  155.
Conrad  den  Langen  als  Anführer  der  Bürger.
            
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