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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 70. Band, (Jahrgang 1872)

tJeber  das  rahd.  Buch  der  Märterer.

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sogar  damit  soll  Kaiser  Karl  V.  eine  nicht  sehr  erbauliche  Erfahrung ­
  gemacht  haben.
Der  Dichter  des  Passion  als  und  der  Reimer  des
Buchs  der  Märterer  haben  eine  und  dieselbe  Quelle  vor
sich  gehabt,  nämlich  des  Jacobus  a  Voragine  Legenda
aurea.  Während  aber  der  Dichter  des  Passion  als  das  Buch
nur  als  eine  Sammlung  von  Stoff  ansah,  aus  welchem  er  mit
künstlerischem  Sinn  und  Geschick  Mären  bildete,  durchhaucht
von  der  Fülle  seiner  Gedanken  und  Empfindungen,  hielt  sich
der  Reimer  streng  an  seine  Vorlage,  die  er  auch  nicht  um  ein
Tüpfelchen  zu  bereichern  oder  gar  durch  Gedanken  und  Empfindungen ­
  erst  zum  Leben  zu  erwecken  versucht  hat.  Ja,  die
Aurea  legenda  muss  ihm  eigentlich,  trotzdem  er  sich  genau
an  dieselbe  hält,  betreffs  ihrer  kirchenkalendarischen  Ordnung
noch  viel  zu  geistreich  gewesen  sein.  Er  gibt  nur  die  Thatsaclien.
  Ich  will  bloss  ein  paar  Beispiele  anführen,  die  zugleich
zeigen,  mit  welcher  Unwissenheit  der  Reimer  geschmückt  war.

18.  De  s.  crucis  inventione.
Nach  gottes  marter  zwayhundert
  jar
Und  dreizzikch  für  war
Fuern  dye  Ungern  mit  gewalt
Mit  einem  her  ungezalt
Pey  der  Tunaw  auf  römisch
reich
Constantinus  der  tugentleich
Was  Chaisser  pey  den  zeitten
Der  besammet  sich  auch  weiten
Er  gewan  ein  her  grozz  und
stark
Doch  ez  geyn  disem  nicht  enwakch

Si  hetten  dreyzzigkan  einen  man

Jacobus  ed.  Graesse  p.  305.
Istud  lignum  crucis  pretiosum
per  annos  CC  et  ultra  sub  terra
latuit  .  .  In  tempore  illo  congregata
  est  iuxta  Danübium
fluvium  multitudo  innumerabilis
barbarorum  .  .  .  Quod  ubi  Constantinus ­
  Imperator  comperit,
castra  movit  et  contra  Danubium
  se  cum  suo  exercitu  collocavit
  ad  barbarorum  crescente
multitudine.

Er  kennt  an  der  Donau  also  keine  andern  barbarischen
Völker  als  die  Ungern  und  zwar  schon  230  Jahre  nach  Gottes
Marter.  Um  ihn  zu  entschuldigen,  darf  man  sich  nicht  auf  die
            
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