Haupt. Ueber das ralid. Buch der Märterer.
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Ueber das mhd. Buch der Märterer.
Von
Josef Haupt.
In der Abhandlung' Uber das mitteldeutsche Buch der Väter
habe ich (Sitzungsberichte Bd. LXIX. S. 109) bereits bemerkt,
dass von dem Buche der Märterer noch mehr Hss. vorhanden
sind, wenn auch nur in Trümmern, als man bisher geglaubt
hat. Seit Hoff mann von Fallersleben zuerst in den Altd.
Bll. II. 86. von der Kloster-Neuburger Hs. Nachricht gegeben
und Wilken in seiner Geschichte der Heidelb. Büchers.
die Heidelberger Hs. unter Nr. 342, S. 428 verzeichnet
haben, ist eigentlich nichts. weiter für eine eingehende Kunde
des Buches geschehen. Im Gegentheil haben die Geschiehtforscher
und Geschichtschreiber der deutschen Literatur und
darunter die ersten Namen, wie W. Wackernagel, eine ganze
Reihe von Legenden, die sich aus dem Buch der Märterer
in verschiedenen Hss. der k. k. Hofbibliothek zu Wien und
anderwärts zerstreut vorfinden, als selbständige Werke behandelt,
ohne sich zu fragen, ob dieselben nicht etwa Theile eines
grösseren Werkes seien.
Die Verwirrung, die schon gross genug war, ist noch
gesteigert worden durch einen Irrthum des berühmten Geschichtschreibers
der deutschen Dichtung. Gervinus schiebt II 5
S. 267 die geistlichen Dichtungen zur Seite und fährt fort
seine Meinung zu begründen mit den Worten: ,Dazu kommt,
dass diese geistlichen Dichtungen nun zum grossen Theil eine
mehr blos örtliche Bedeutung und eingeschränkte Verbreitung