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Der Beweis beruht demnach abermals auf einer logischen
Voraussetzung, die wir nicht umhin können als falsch zu bezeichnen,
ob sie gleich bei weitem nicht von Spinoza allein angenommen,
sondern bei der grossem Menge unserer Denker die
herrschende geworden ist; während in der Propositio V., wie wir
im ersten Vortrag zu zeigen suchten, etwas, was vom Begriff' gilt,
fälschlich auf den Gegenstand übertragen wurde, wird hier umgekehrt
Dasjenige, was der Sache eigenthümlich ist, zum Inhalt
des Begriffes gemacht. Auf die logische Frage, ob der Begriff
sämmtliche Beschaffenheiten seines Gegenstandes als Bestandteile
enthalten müsse, antwortet Spinoza indirect mit: Ja, indem
er die Definition als den Ausdruck der ganzen Essenz der Sache
definirt; deren sämmtliche Beschaffenheiten demnach müssen aus
ihr gefolgert werden können, d. h. sämmtlich in ihr enthalten
sein. Da es nun zu der Essenz der Substanz gehört, causa sui zu
sein, so muss diese Beschaffenheit sogleich in ihrem Begriffe auftreten.
Die Substanz bedarf, um begriffen zu werden, des Begriffes
keines andern Dinges, von dem sie erzeugt wird; sie hat, weil sie
nichts mit dem Begriffe eines Andern gemein hat, auch nichts mit
den Beschaffenheiten eines Andern gemein, sie kann folglich auch
mit keinem Andern in ursächlichem Verhältnisse stehen, sie kann
nur ihre eigene Ursache sein.
Spinoza deducirt hier, wie man sieht, mit dem Scheine der
grössten Präcision aus dem Begriffe der Substanz nichts Anderes,
als was er selbst zuvor in denselben hineingelegt hat. Unter der
Voraussetzung, dass was im Begriff, auch an der Sache und was an
dieser, auch in jenem sei, legt er in den Begriff der Substanz das
Merkmal der causa sui, um die Unerschaffenheit der Substanz
sodann als Folge aus derselben heraus zu demonstriren, was einer
Erschleichung sehr ähnlich sieht. Consequent fährt er nun weiter
fort: desslialb könne die erste Definition, mit der angefangen werden
müsse, keine andere sein, als die Definition der res increata,
der absoluten Substanz xmd causa sui. Natürlich, denn wenn die
Definition des Begriffes die ganze Essenz, die alle Eigenthümlichkeiten
der Substanz enthält, die absolute Substanz aber die Essenz
aller Dinge ist, so müssen die letzteren insgesammt, wie materialiter
in der Substanz, so formaliter in ihrer Definition enthalten
sein. Wie die wirkliche Welt nur die explicirte Substanz, so ist