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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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Der  Beweis  beruht  demnach  abermals  auf  einer  logischen
Voraussetzung,  die  wir  nicht  umhin  können  als  falsch  zu  bezeichnen, ­
  ob  sie  gleich  bei  weitem  nicht  von  Spinoza  allein  angenommen, ­
  sondern  bei  der  grossem  Menge  unserer  Denker  die
herrschende  geworden  ist;  während  in  der  Propositio  V.,  wie  wir
im  ersten  Vortrag  zu  zeigen  suchten,  etwas,  was  vom  Begriff'  gilt,
fälschlich  auf  den  Gegenstand  übertragen  wurde,  wird  hier  umgekehrt ­
  Dasjenige,  was  der  Sache  eigenthümlich  ist,  zum  Inhalt
des  Begriffes  gemacht.  Auf  die  logische  Frage,  ob  der  Begriff
sämmtliche  Beschaffenheiten  seines  Gegenstandes  als  Bestandteile ­
  enthalten  müsse,  antwortet  Spinoza  indirect  mit:  Ja,  indem
er  die  Definition  als  den  Ausdruck  der  ganzen  Essenz  der  Sache
definirt;  deren  sämmtliche  Beschaffenheiten  demnach  müssen  aus
ihr  gefolgert  werden  können,  d.  h.  sämmtlich  in  ihr  enthalten
sein.  Da  es  nun  zu  der  Essenz  der  Substanz  gehört,  causa  sui  zu
sein,  so  muss  diese  Beschaffenheit  sogleich  in  ihrem  Begriffe  auftreten.
  Die  Substanz  bedarf,  um  begriffen  zu  werden,  des  Begriffes
keines  andern  Dinges,  von  dem  sie  erzeugt  wird;  sie  hat,  weil  sie
nichts  mit  dem  Begriffe  eines  Andern  gemein  hat,  auch  nichts  mit
den  Beschaffenheiten  eines  Andern  gemein,  sie  kann  folglich  auch
mit  keinem  Andern  in  ursächlichem  Verhältnisse  stehen,  sie  kann
nur  ihre  eigene  Ursache  sein.
Spinoza  deducirt  hier,  wie  man  sieht,  mit  dem  Scheine  der
grössten  Präcision  aus  dem  Begriffe  der  Substanz  nichts  Anderes,
als  was  er  selbst  zuvor  in  denselben  hineingelegt  hat.  Unter  der
Voraussetzung,  dass  was  im  Begriff,  auch  an  der  Sache  und  was  an
dieser,  auch  in  jenem  sei,  legt  er  in  den  Begriff  der  Substanz  das
Merkmal  der  causa  sui,  um  die  Unerschaffenheit  der  Substanz
sodann  als  Folge  aus  derselben  heraus  zu  demonstriren,  was  einer
Erschleichung  sehr  ähnlich  sieht.  Consequent  fährt  er  nun  weiter
fort:  desslialb  könne  die  erste  Definition,  mit  der  angefangen  werden ­
  müsse,  keine  andere  sein,  als  die  Definition  der  res  increata,
der  absoluten  Substanz  xmd  causa  sui.  Natürlich,  denn  wenn  die
Definition  des  Begriffes  die  ganze  Essenz,  die  alle  Eigenthümlichkeiten
  der  Substanz  enthält,  die  absolute  Substanz  aber  die  Essenz
aller  Dinge  ist,  so  müssen  die  letzteren  insgesammt,  wie  materialiter
  in  der  Substanz,  so  formaliter  in  ihrer  Definition  enthalten
sein.  Wie  die  wirkliche  Welt  nur  die  explicirte  Substanz,  so  ist
            
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