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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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die  Naturforscher  verfolgen,  wenn  sie  von  der  beobachteten  Wirkung ­
  zu  dem  Schluss  auf  die  zu  Grunde  liegende  wahrscheinliche
Ursache  fortschreiten.  Im  Grunde  ist  freilich  Eines  wie  das  Andere
nur  eine  einseitige  Auflassung  des  Satzes,  dass  die  vollständige
Wirkung  in  der  vollständigen  Ursache  und  in  nichts  Weiterem
begründet,  und  die  vollständige  Ursache  eben  nur  Ursache  dieser
und  keiner  andern  vollständigen  Wirkung  sei.  Der  Erkenntniss
ist  damit  der  mannigfaltigste  Weg  eröffnet;  sie  ist  weder  gebunden, ­
  von  der  Ursache  zur  Wirkung,  noch  von  dieser  zu  jener
überzugehen,  sondern  kann  bald  den  synthetischen  (von  der
Ursache  zur  Wirkung),  bald  den  analytischen  Weg  (von  der  Wirkung
zur  Ursache)  wählen  ;  und  wenn  das  Axiom  Spiuoza’s  ausschliesslich ­
  gelten  sollte,  so  hätte  Galilei  nie  durch  die  Schwingung  an
einer  Lampe,  noch  Newton  durch  den  Fall  des  berühmten  Apfels,
der  für  die  Naturwissenschaften  zum  Eva’s-Apfel  vom  Baum  der
Erkenntniss  geworden,  auf  die  unsterbliche  Entdeckung  der  Pendelund
  Fallgesetze  geleitet  werden  können.
Wenig  besser  scheint  es  uns  um  das  zweite  Axiom  Spinoza’s
zu  stehen,  nach  welchem  Dinge,  welche  nichts  miteinander  gemein
haben,  nicht  durch  einander  sollen  begriffen  werden  können  (intelligi).
  Räthselhaft  ist  hier  schon  der  Ausdruck  „gemein  haben”
(commune  habere').  Er  kann  auf  doppelte  Weise  verstanden  werden.
Entweder  muss  man  ihn  auf  die  Dinge  selbst,  ihre  Substanz,  ihren
Stoff,  ihre  Beschaffenheiten  beziehen,  oder  wie  es  die  Folgerung
„dass  sie  durch  einander  nicht  sollen  begriffen  werden”  zu  verlangen ­
  scheint,  auf  die  Begriffe  der  Dinge.  Beziehen  wir  ihn  auf  die  Dinge
selbst,  so  bedeuftgt  ihr  „Gemein  haben”  so  viel,  dass  entweder  das
Eine  ein  Theil  des  Andern  oder  dass  beide  die  Besitzer  gewisser
gemeinschaftlicherBeschaffenheitenseien.  Im  ersten  Fall  haben  beide
wirklich  etwas  gemein,  im  zweiten  Fall
jedoch  besitzen  sie  nur  gleich  e,  nicht
dieselben  Beschaffenheiten.  Nehmen
wir  das  Erste  an,  so  lautet  Spinoza’s
Satz  dahin,  dass  nur  Dinge,  deren  Eines  ®
ein  Theil  des  Andern  ist,  durch  einander
begriffen  werden  können,  was  gewiss  falsch
ist.  Denn  zeichnen  wir  ein  ungleichseitiges ­
  Dreieck  abc  und  verbinden  zwei  beliebige,  nur  nicht  von
            
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