nähme religiös-moralischer Gesinnung, gegen sich seihst. Die
schweren „Himmelsstrafen” (pestartige Krankheiten) , welche die
Stadt zwischen den JJ. 1483 und 1605 oftmal heinisuchten, und
sehr viele Einwohner wegrafften, haben eben so wenig, wie die
oftmaligen Feuersbrünste, Wasseriiberschwemmungen (der Vorstädte)
und andere Elementarereignisse das Volk zu den allen
guten Grundsätzen, insbesondere zur Gottergebenheit, zur Demuth
und zum Gehorsam gegen den Stadtvorstand und alles, was höher
als der gemeine Bürger stand , zurückgebracht.
Der Kampf, welcher aus Anlass einer Ueberschwemmung im
J. 1520 gegen die Patriciergeschlechter und den Stadtrath von
Seite der Zünfte und Innungen ausbrach, und mit grosser Erbitterung,
ja mit Verhöhnung und Beschimpfung der zur Schlichtung
desselben angeordneten königl. Commissäre bis 1525 geführt, zu
Gunsten des Stadtrathes zwar entschieden wurde, aber durch
Widerspenstigkeit der Zünfte genährt, bis 1575 noch mehrmals
aufloderte, liefert dazu den leidigen Beweis.
Einen so unterwühlten Boden fand in Iglau die neue Lehre
Luther’s zuerst unter allen königl. Städten des Landes, welche der
von Wien abgeschaffte bekannte Wühler Paul Sperat, hier seit 1522
als Prediger aufgenommen, unbeirrt durch kaiserl. und bischöfliche
Verbote, durch zwei Jahre eifrigst verbreitete 4 ) , nachdem ihm
schon seit 1509 der von Iglau gebürtige Probst des Nonnenklosters
zu Kanitz, Martin Göschl, der sich im genannten Jahre in den Besitz
der dasigen Pfarre ohne Vorwissen des Stadtrathes gesetzt und
verschiedene Neuerungen eingeführt hatte, günstig vorgearbeitet 8 ).
1 ) Dass der als angebliche Veranlassung zum Abfall von der katholischen
Lehre so oft vorgeschützte höchst einträgliche Ablassverkauf wenigstens
für Iglau nicht stichhältig ist, beweisen die dasigen Stadtbücher,
denen zufolge zwar die hiesigen Dominikaner zum hl. Kreuz den möglich
grössten Absatz von Ablassscheinen zu bewirken beauftragt waren,
aber nach des Commissarius noch vorhandenem Empfangsscheine nur
8 fl., in Groschen 10 fl., in Kreuzermünze 2 fl., und in neuer deutscher
Münze 15 fl. in Gegenwart städt. Commissäre übernahmen. (d’Elvert.
Gesch. Iglau’s S. 159.)
2 ) Derselbe Göschl nahm auch ein Legat von 800 Gulden der hiesigenPfarrkirche,
und kaufte dafür einigen Grundbesitz für das Kloster Kanitz, ward später
sogar Weihbischof in Olmütz, apostasirte und heirathete eine Kanitzer
Nonne, mit der er seit 1526 meist bei den Wiedertäufern in Nikolsburg lebte.