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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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habe  sich  dafür  erklärt,  wandte  er  sich  an  ihn  brieflich,  mit  der
Bitte  um  Beförderung;  allein  der  Primas  stellte  Alles  in  Abrede  40 ).
Ganz  im  Geheimen  gesellte  sich  zu  den  Bewerbern  auch  die  Königinn
  Christina  von  Schweden,  weichein  fremdem  Lande
eine  Krone  wieder  zu  erlangen  wünschte,  nachdem  sie  vierzehn
Jahre  zuvor  der  angestammten  entsagt  hatte:  auch  sie  hatte  zwar
nicht  grosse  Aussicht  auf  Erfolg;  ihre  Bestrebung  ist  aber  von
nicht  geringem  Einflüsse  gewesen  auf  den  Verlauf  und  Ausgang
der  Wahl,  wie  unten  erhellen  wird.  Eine  grosse  Partei  aber  war
im  Lande  für  den  Kurfürsten  von  Brandenburg,  und  selbst
der  Primas  war  für  ihn,  nach  Pufendorfs  Versicherung,  doch
unter  der  Bedingung,  dass  er  katholisch  werde;  er  lehnte  jedoch,
so  wie  früher,  entschieden  ab,  mit  sehr  ehrenwerther  Erklärung,
und  mit  der  Aeusserung,  nicht  einmal  die  Kaiserkrone  werde  er
unter  dieser  Bedingung  annehmen 47 ).  So  blieben  von  allen  Thronbewerbern ­
  noch  drei,  welche  grossen  Anklang  bei  der  polnischen
Nation  fanden,  und  auch  andere  mächtige  Unterstützungsmittel
besassen:  es  sind  eben  diejenigen,  welche  schon  bisher  eine  so
bedeutende  Stelle  eingenommen  haben.  Unter  diesen  war  der
Pfalzgraf  Philipp  Wilhelm  von  Neu  bürg  der  Nation
lieb,  weil  er  mit  einer  polnischen  Königstochter,  der  Schwester
Wladislav’s  und  Johann  Casimirs«}  vermählt  gewesen,  mit  königlichen ­
  Eigenschaften  hinreichend  ausgestattet  war;  und  er  wurde
durch  grosse  auswärtige  Mächte  unterstützt,  den  Kaiser,  Frankreich, ­
  England,  Schweden  und  den  Kurfürsten  von  Brandenburg,
welche  sich  selbst  durch  Verträge  dazu  verbindlich  gemacht  hatten.
Allein  es  war  Manches,  was  gegen  ihn  sprach:  einmal  sein  vorgerücktes ­
  Alter,  beinahe  so  hoch  wie  das  Johann  Casimir’s,  und
seine  Kränklichkeit,  wozu  im  Gegensätze  stand,  dass  sein  ältester
Sohn  erst  acht  Jahre  alt  war;  ferner  dass  er  zehn  lebendige  Kinder
hatte,  und  jedes  Jahr  eins  mehr  bekam;  dann  seine  und  seiner
Familie  grosse  Hausmacht,  und  die  bereitstehende  Hülfe  von
Schweden  und  Brandenburg,  Mittel,  die  um  so  bedenklicher  waren,
da  die  Polen  ohnehin  von  deutschen  Fürsten,  wegen  des  Strebens
derselben  nach  unumschränkter  Gewalt,  Schmälerung  ihrer  Freiheit ­
  befürchteten;  vorzüglich  aber  der  Hass  des  polnischen  Volkes
gegen  die  Deutschen  ;  auch  beleidigte  sie  das  zu  frühe  Absclilicssen
von  Bündnissen  mit  auswärtigen  Fürsten,  als  habe  die  Nation  Vor-
            
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