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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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Der  entscheidende  Reichstag  wurde  au  Anfang’  Septembers  eröffnet. ­
  Eine  ungeheuere  Menschenmenge  war  zusammengeilossen;
die  ängstlichste  Spannung  herrschte,  bis  der  König  durch  den  Vice-Kanzler
  seinen  Entschluss  kund  thun  liess.  Nun  entstand  die  heftigste ­
  Aufregung,  Viele  sprachen  mit  Bitterkeit  gegen  ihn  ;  man
machte  ihm  die  stärksten  Gegenvorstellungen,  besonders  auch  darüber, ­
  dass  er  den  Staat  ohne  einen  Nachfolger  lasse.  Endlich  nach
acht  Tage  langen  stürmischen  Verhandlungen  einigten  sich  die
Stände  dahin,  ihm  die  Bitte  vorzutragen,  er  möge  die  Krone  behalten ­
  so  lange  er  lebe.  Er  aber  erklärte  schon  am  folgenden  Tage
seinen  unabänderlichen  Entschluss,  die  Krone  niederzulegen.  Und
als  er  nun  sah,  dass  man  ihm  feindseliger  entgegentrat,  und  diejenigen, ­
  welche  früher  seiner  Abdankung  am  meisten  widersprochen ­
  hatten,  jetzt  am  stärksten  dazu  drängten,  beeilte  er  dieselbe
so  sehr,  dass  er  sogar  auf  den  Anfangs  aufgestellten  Bedingungen
nicht  bestand,  und  betrieb  die  Beschleunigung  der  Thronentsagung
ebenso  ängstlich,  wie  Andere  nach  der  Erlangung  einer  Krone
streben.
So  wurde  am  sechzehnten  September  1668  der  Act  feierlich
vollzogen  in  dem  Saale  des  Reichsrathes.  Der  König  zeigte  ungeachtet ­
  grosser  Bewegung  festen  Sinn  und  Standhaftigkeit;  die
Umstehenden  zerflossen  bei  seiner  Abschiedsrede  in  Thränen,  Alle
waren  tief  ergriffen;  von  Seiten  der  Stände  traten  mehrere  mit
Reden  voll  Aeusserungen  der  Verehrung  und  Liebe  auf,  zum  Pomphaften ­
  gesteigert,  während  zugleich  heftiger  Tadel  gegen  ihn  laut
wurde.  Am  folgenden  Tage  wurde  die  Abdankungsurkunde  und  die
Antwortschrift  der  Stände  vollzogen.  Der  Primas  desReiches  übernahm ­
  die  Regierung,  und  der  Reichsrath  beschloss,  nach  sieben
Wochen  solle  die  Versammlung  der  Stände  erfolgen,  als  Vorbereitung ­
  zu  der  Wahl  des  neuen  Königs  4 'j.
So  war  denn  nun  der  alte  erlauchte  Thron  des  Königreiches
Polen  erledigt,  und  es  klar  und  feierlich  ausgesprochen,  dass  die
Nation  sieffein  neues  Oberhaupt  wählen  solle.  Die  Bewerbung  der
Thron-Candidatcn,  welche  bis  dahin  mehr  im  Verborgenen  gehalten ­
  war,  trat  jetzt  ganz  offen  hervor,  und  mit  verdoppelter  Stärke:
was  jeden  empfahl  oder  herabsetzte,  wurde  mit  schrankenloser
Freimüthigkeit  ausgebreitet.  Die  Forderungen,  welche  man  an  den
neuen  König  stellte,  gingen  in’s  Ideale:  es  war  das  Alles  recht
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