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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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selbst  heiterer  Masse  gemessen  könne;  Bedenken  des  Gewissens
möge  er  dem  höchsten  Oberhaupte  der  Kirche  und  Statthalter
Christi  zur  Entscheidung’  anheimgeben.  Der  Primas  redete  mit
grosser  Bewegung;  zuletzt  erstickten  Thränen  seine  Worte,  er
erhob  sich  von  seinem  Sitze,  und  flehete  zu  den  Fiissen  des  Königs. ­
  Die  Senatoren  traten  hinzu,  und  schlossen  sich  ihm  auf  den
Knieen  mit  Bezeugungen  der  Verehrung,  mit  Bitten  und  Thränen
an.  Der  König  blieb  unerschütterlich:  er  hiess  sie  ihren  Platz  einnehmen, ­
  befahl  Stille,  und  erklärte  mit  königlicher  Würde,  sein
Entschluss  stehe  fest,  nur  im  Privatstande  könne  er  sein  Seelenheil ­
  sichern;  dem  fortgesetzten  Vorwurfe,  dass  die  freie  Wahl
eines  Königs  in  ihm  ein  Hinderniss  habe,  wolle  er  durch  Abdankung ­
  begegnen;  und  ein  starkes  Gewicht  liege  für  ihn  noch  darin,
dass  der  Reichsrath  ihm  bei  Angriffen  auf  seine  königliche  Würde
theils  sehr  wenig,  theils  gar  keinen  Beistand  gewährt  habe;  er  gab
ihnen  einen  Tag  Bedenkzeit,  um  Weise  und  Form  der  Abdankung
zu  berathen.  Sie  beschlossen,  noch  einmal  Alles  aufzubieten  ,  um
ihn  von  dem  Entschlüsse  abzubringen;  gelinge  das  nicht,  so  könne
nur  der  ordentliche  Reichstag  eine  gültige  Erklärung  darüber  abgeben. ­
  Er  aber  theilte  auch  den  fremden  Gesandten  sein  Vorhaben
mit,  und  liess  Schreiben  an  den  Papst  und  die  Fürsten  unfertigen,
so  wie  zu  dem  Reichstage  Anstalten  treffen.  Papst  Clemens
rieth  ihm  entschieden  und  wiederholt  ab;  ebenso  der  Kaiser.
Und  wirklich  schien  dies  und  Anderes  tiefen  Eindruck  auf  ihn
hervorzubringen,  und  ihn  wankend  zu  machen,  da  er  weltlichen
Angelegenheiten  ungewöhnliche  Sorge  zuwandte.  Indess  er  beharrte
  unabänderlich 40 ).  Um  diese  Zeit  muss  auch  die  Zustimmung ­
  des  kaiserlichen  Hofes  zu  den  Verträgen  für  Neuburg’s
  Beförderung  erfolgt  sein.  Lange  Zeit  waren  die  fortgesetzten ­
  Versuche  Brandenburg^  erfolglos  geblieben,  ebenso  eine
Verwendung  des  Königs  von  England,  auf  Neuburg’s  Bitten:
man  hatte  immer  entschiedener  dem  Prinzen  Karl  von  Lothringen ­
  seine  Gesinnung  zugewandt,  und  wollte  nur  noch  nicht  öffentlich ­
  damit  hervortreten  ;  wahrscheinlich  hatte  man  nicht  geglaubt,
dass  es  wirklich  zur  Abdankung  kommen  werde.  Als  aber  diese
feststand,  und  so  viele  Mächte  für  den  Pfalzgrafen  auftraten,
erklärte  man  sich  ebenfalls  für  ihn,  was  seiner  Sache  das  stärkste
Gewicht  geben  musste 41 ).
            
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