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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

365-dieses

  Landes  wegen  seine  frühem  Pläne  ganz  aufgegeben,  und
wolle  im  Falle  der  Thronerledigung  keinen  französischen  Prinzen ­
  von  Geblüt,  sondern  nur  Neuburg  unterstützen.  —
Bei  dem  Könige  Johann  Casimir  stellte  sich  damals  der  Entschluss, ­
  dem  Throne  zu  entsagen,  immer  entschiedener  fest.  Die
Lage  des  Reiches  war  trostlos.  An  R,usslaud  hatte  man  kurz  vorher
(im  Waffenstillstände  von  Andrussow,  Januar  1667)  vSmolensk  und
andere  wichtige  Landstriche  abtreten  müssen.  In  der  Ukraine  entstand
eine  gewaltige  Empörung:  SO,000  Tataren  machten  einen  Einfall
in  Podolien,  und  hausten  so  furchtbar,  dass  das  Land  ein  Bild
wüster  Zerstörung  darbot;  nur  ein  feindlicher  Einbruch  in  ihre
Heimath  bewog  sie  zu  einem  Frieden,  der  doch  nicht  lange  dauern
konnte.  Auch  von  der  Pforte  drohete  Krieg.  Und  dazu  kam  die
tfrge  Zerrüttung  im  Innern,  wie  sie  im  Vorstehenden  erschienen
ist.  DerZustand  war  so  unheilvoll,  dass  einer  der  besten  polnischen
Geschichtschreiber  jener  Zeit,  Kochowski,  der  die  Ereignisse  ausführlich ­
  darstellt,  mit  dem  schmerzlichsten  Gefühle  und  tiefer  patriotischer ­
  Entrüstung  ihn  in  grellen  Farben  schildert,  und  zu
Aeusserungen  geführt  wird,  wie  diese:  „so  klagen  wir  oft  mit.
Unrecht  die  Geschicke  des  Himmels  an,  indem  wir  uns  über  das
beschweren,  w r as  uns  überkommt,  während  doch,  wenn  wir  die
Sache  näher  betrachten,  von  uns  selbst  unser  Unglück  herrührt”  S3 j.
Diese  trostlose  Beschaffenheit  des  Reiches  wurde  für  Johann  Casimir ­
  eine  völlig  niederdrückende  Last  durch  den  Gegensatz  seiner
Persönlichkeit,  sein  Alter,  seine  Kränklichkeit,  den  Verlust  seiner
Gemahlinn,  durch  das  Gefühl  von  seiner  Schwäche  und  Unfähigkeit,
und  die  religiösen  Scrupel,  die  ihn  zu  dem  Glauben  führten,  er
müsse  vor  seinem  Tode  in  Tiuhe  die  Angelegenheiten  seines  Seelenheils ­
  ordnen:  wenigstens  gab  er  das  Letztere  nebst  seinem  körperlichen ­
  Zustande  immer  als  die  Hauptgründe  an  " 4 ).  Bald  liess
er  denn  auch  seinen  Entschluss  deutlich  genug  erkennen.  Schon  auf
dem  Reichstage  im  Januar  1668  verbreitete  sich  das  allgemeine
Gerücht  von  seinem  bevorstehenden  Rücktritte;  und  das  erhielt
die  grösste  Nahrung  dadurch,  dass  er  mit  vollen  Händen  Staatsgüter, ­
  Würden,  Schätze  und  Kleinodien  an  seine  Günstlinge
hingab.  Der  Reichstag  war  sehr  stürmisch:  insbesondere  forderte
man  auch  die  Entfernung  der  fremden  Gesandten,  vor  Allem  des
französischen,  den  man  der  Anstiftung  von  mancherlei  Verwirrung
            
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