303
Versprechung grosser Vortheile, wieder den Antrag, seinen Plan
au unterstützen, was er aber entschieden ablehnte; es drängte
den König zur Abdankung mit aller Gewalt, selbst mit Hülfe von
Priestern, die ihm sein Seelenheil als gefährdet darstellten. So
war der arme alte Mann, der in sich gar keinen Halt fand, von
allen Seiten gequält: er half sich mit ausweichenden Antworten.
Im Lande aber entstand grosse Aufregung, als der aus Frankreich
zurückkehrende Gesandte“ 0 ) aussprengte, Johann Casimir und
Ludwig XIV. seien längst gänzlich einverstanden, Schweden dem
Plane zugethan, die Sache völlig gesichert, und Conde werde
nächstens mit 10,000 Mann nach Danzig kommen, um sic nöthigen
Falls mit Gewalt durchzuführen. Und freilich brachte es die französische
Hofpartei sogar dahin, dass Johann Casimir dem Gesandten
des Kurfürsten die Audienz versagte, was einen förmlichen
Bruch drohte, und nur durch Vermittlung ausgeglichen wurde 31 ).
Iiuless war der Kurfürst auf anderer Seite sehr thätig, und erhielt
auf die Gestaltung der Dinge bald entschiedenen Einfluss.
Schweden hatte, wie oben berichtet, schon vor einiger
Zeit gegen Brandenburg sich geneigt erklärt, für Neuburg zu wirken,
ward aber durch den französischen Gesandten von entschiedenem
Vorgehen zurückgehalten. Bald nach dem Tode der Königinu
aber (22. Juni 1667) schloss es mit dem Kurfürsten, auf Betreiben
seines Gesandten, einen Vertrag, worin beide der Republik
Polen ihre volle freie Verfassung und die freie Wahl eines neuen
Königs gewährleisteten, auf alles eigene Interesse verzichteten,
und festsetzten, w T enn sie im Falle der Thronerledigung einen
Camlidaten empfehlen wollten, so würden sie das gemeinschaftlich
thun, so wie überhaupt in dieser Sache gemeinsam handeln; auch
den Kaiser und Frankreich wollten sie zur Mitwirkung zu bewegen
suchen. Bei dem Kaiser erneuerte auch der Kurfürst bald darauf
(30. Oct. 1667) seinen frühem Versuch: er stellte vor, wie
Frankreichs Bestrebungen in Polen immer weiter um sich griffen,
und man ihnen mit Kraft begegnen müsse; ertheilte die mit Schweden
geschlossene Verabredung mit, und ersuchte um Beitritt und
Unterstützung Neuburg’s. Allein man entgegnete, Johann Casimir
werde sich keineswegs zur Abdankung bewegen lassen, Frankreich
habe Conde aufgegeben, Neuburg aber seit längerer Zeit keineswegs
dem Kaiser freundliche Ergebenheit bewiesen. Bei dieser