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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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grosser  Bedeutung  der  unerwartete  Tod  Lul>omirski's  (7.  Februar ­
  1667).  Die  Nachricht  davon  erregte  am  Hofe  die  höchste
Freude,  da  man  von  dem  bei  weitem  mächtigsten  Gegner  der
Pläne  der  Königinn  (denn  man  konnte  ihm  noch  immer  nicht
trauen)  befreit  war,  die  vier  übrigen  (die  Castellane  von  Krakau,
Posen  und  Lemberg  und  Demetrius  Wisniowiecki)  nicht  gefährlich
schienen  25 ).  Der  französische  Gesandte  prahlte  denn  auch  gewaltig ­
  über  die  Stärke  seiner  Partei,  und  durfte  sich  am  Hofe
grosse  Freiheiten  erlauben.  Der  König  zeigte  sich  dem  Kurfürsten ­
  sehr  widerwillig,  indem  er  ihm  die  Befriedigung  mehrerer
gesicherter  Rechtsansprüche  versagte.  Die  Königinn  arbeitete
rastlos  für  Conde,  und  schickte  ihm,  da  er  oft  in  Geldverlegenheiten ­
  war,  sehr  grosse  Summen 20 ).  Aber  als  den  Reichsständen
der  Plan,  französische  Hulfsvölker  zu  Conde’s  Zwecken  herbeizuziehen, ­
  durch  den  Kurfürsten  bekannt  wurde,  erregte  das  die
grösste  Erbitterung.  Auf  dem  Reichstage  (März  bis  Mai  1667)
kam  es  zu  heftigen  Auftritten.  Einige  Landboten  schalten  mit
Bitterkeit  über  die  an  auswärtige  Fürsten  gegebenen,  diese  Sache
betreffenden  Schriften,  und  sagten,  die  Unterzeichner  derselben
müssten  noch  jetzt  vor  Gericht  gestellt,  ja  für  Feinde  des  Vaterlandes ­
  erklärt  werden.  Der  Unterkämmerer  von  Lemberg  äusserte,
er  sehe  nicht  ein,  warum  man  sich  hier  mit  weitläufigen  Reden  in
Staatssachen  befasse,  wenn  man  nur  problematisch  darüber
sprechen  dürfe,  und  die  Beschlüsse,  welche  im  Cabinet  Ihrer
Majestät  der  Königinn  gefasst  seien,  als  festgestellte  und  Fundamentalgesetze ­
  annehmen  müsse.  Darauf  rief  der  König,  indem  er
mit  erzürnter  Miene  von  seinemThrone  sicherhob,  ,,du  lügst”.—
Dasselbe  Schimpfwort,  „du  lügst”  erwiderte  jener',  hat  König
Stephan  dem  Kasimirsz  zugcschleudcrt,  aber  er  bekam  zur  Antwort: ­
  „ich  bin  kein  Schurke,  sondern  ein  Wähler  von  Königen
und  ein  Vertreiber  von  Tyrannen.”  Der  König  hob  die  Sitzung
*iuf,  und  verliess  den  Saal 27 ).  Die  Stände  erklärten  sich  gegen
fremde  Hülfsvölker,  und  versicherten,  sie  würden  dieselben  als
Feinde  behandeln;  das  Gesetz  gegen  die  Wahl  wurde  erneuert;
dem  Kurfürsten  sagten  sie  Dank  als  dem  Beschützer  ihrer  Freiheit.
Und  noch  während  des  Reichstags  trat  ein  Ereigniss  ein,  welches
in  das  so  eifrig  und  so  fein  gesponnene  Gewebe  einen  grossen  Riss
brachte.  —
            
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