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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

Hauke,  Unredlichkeiten  und  Uebcrgriffe:  es  war  nichts  Seltenes,
dass  sie  ihre  Worte  verläugnete,  und  Andern  unterschob  was  sie
nicht  gesagt  hatten;  das  trügerische  und  böswillige  Spiel  am
polnischen  Hofe  erhielt  so  die  grösste  Ausdehnung  und  Wirksamkeit. ­
  Daher  sah  man  sie  als  die  Quelle  aller  Uebel  an,  die
das  Land  damals  betrafen,  und  bedauerte  nachmals  ihren  Tod
nicht 7 ).  Da  nun  Johann  Casimir  kinderlos  war,  so  wie  sein  Vorgänger, ­
  so  entwarf  sie  den  Plan,  schon  bei  Lebzeiten  desselben
einen  Nachfolger  wählen  zu  lassen,  und  zwar  den  Prinzen  Conde,
oder  noch  lieber  dessen  Sohn,  den  Herzog  von  Enghien,
welcher  dann  die  Tochter  ihrer  Schwester,  die  mit  dem  Prinzen
Eduard  von  der  Pfalz  vermählt  war,  zur  Gemahlinn  nehmen  sollte:
er  schien  unter  den  Candidaten,  die  sich  darboten,  der  vorzüglichste.
Den  König  beredete  sie  leicht  dazu:  das  unaufhörliche  und  schwere
Unglück  seines  Reiches,  besonders  die  Schmach  des  Friedens  von
Oliva,  die  Feindseligkeiten  der  Grossen  und  der  ganze  unheilvolle
innereZustand  erfüllten  ihn  mit  grossem  Ueberdrusse  der  Regierung;
dazu  kam  das  stark  herannahende  Alter,  seine  Kränklichkeit,  die
Kinderlosigkeit  und  religiöse  Scrupel  über  das  Aufgeben  des  geistlichen ­
  Standes  und  die  Vermählung  mit  seiner  Schwägerinn.
Allerdings  galt  schon  zur  Zeit  Heinrich’s  von  Anjou  die  Bestimmung, ­
  dass  nie  bei  Lebzeiten  des  Königs  der  Nachfolger  dürfe
gewählt  werden,  und  sie  wurde  als  das  Palladium  der  Nationalfreiheit ­
  betrachtet;  nicht  einmal  Form  und  Ordnung  der  Wahl  war
genau  bestimmt 8 ).  Zudem  erschien  für  den  erledigten  Thron  eineganze
Anzahl  Candidaten  (Pufendorf  zählt  deren  zehn  auf),  unter  welchen
der  Bruder  des  Kaisers  Leopold,  Karl  Joseph,  und  der  Pfalzgraf
von  Neuburg  hervorragten;  und  so  wie  letzterer  sich  angelegentlich
um  Frankreichs  Unterstützung  bewarb,  so  strebte  der  kaiserliche
Hof  eifrigst  für  s  ein  Interesse  °).  Allein  das  königliche  Paar  glaubte
der  Unterstützung  Frankreichs  und  Schwedens  sicher  zu  sein  I0 ).
ln  Frankreichs  Interesse  lag  es  allerdings,  dass  ein  französischer
Prinz  den  Thron  von  Polen  einnehme,  —  besonders  bei  seinen  damaligen ­
  ehrgeizigen  Bestrebungen,  die  immer  mehr  ganz  Europa
umfassten  1 ')  ;  und  die  Zuneigung  der  Polen  für  die  Franzosen,
so  wie  der  frühere  Vorgang  Heinrich’s  von  Anjou  gaben  Hoffnung
auf  Erfolg.  Frankreich  aber  hatte  in  Schweden  seit  dem  dreissigjährigen
  Kriege  fortwährend  den  bedeutendsten  Einfluss:  iusbe-
            
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