Hauke, Unredlichkeiten und Uebcrgriffe: es war nichts Seltenes,
dass sie ihre Worte verläugnete, und Andern unterschob was sie
nicht gesagt hatten; das trügerische und böswillige Spiel am
polnischen Hofe erhielt so die grösste Ausdehnung und Wirksamkeit.
Daher sah man sie als die Quelle aller Uebel an, die
das Land damals betrafen, und bedauerte nachmals ihren Tod
nicht 7 ). Da nun Johann Casimir kinderlos war, so wie sein Vorgänger,
so entwarf sie den Plan, schon bei Lebzeiten desselben
einen Nachfolger wählen zu lassen, und zwar den Prinzen Conde,
oder noch lieber dessen Sohn, den Herzog von Enghien,
welcher dann die Tochter ihrer Schwester, die mit dem Prinzen
Eduard von der Pfalz vermählt war, zur Gemahlinn nehmen sollte:
er schien unter den Candidaten, die sich darboten, der vorzüglichste.
Den König beredete sie leicht dazu: das unaufhörliche und schwere
Unglück seines Reiches, besonders die Schmach des Friedens von
Oliva, die Feindseligkeiten der Grossen und der ganze unheilvolle
innereZustand erfüllten ihn mit grossem Ueberdrusse der Regierung;
dazu kam das stark herannahende Alter, seine Kränklichkeit, die
Kinderlosigkeit und religiöse Scrupel über das Aufgeben des geistlichen
Standes und die Vermählung mit seiner Schwägerinn.
Allerdings galt schon zur Zeit Heinrich’s von Anjou die Bestimmung,
dass nie bei Lebzeiten des Königs der Nachfolger dürfe
gewählt werden, und sie wurde als das Palladium der Nationalfreiheit
betrachtet; nicht einmal Form und Ordnung der Wahl war
genau bestimmt 8 ). Zudem erschien für den erledigten Thron eineganze
Anzahl Candidaten (Pufendorf zählt deren zehn auf), unter welchen
der Bruder des Kaisers Leopold, Karl Joseph, und der Pfalzgraf
von Neuburg hervorragten; und so wie letzterer sich angelegentlich
um Frankreichs Unterstützung bewarb, so strebte der kaiserliche
Hof eifrigst für s ein Interesse °). Allein das königliche Paar glaubte
der Unterstützung Frankreichs und Schwedens sicher zu sein I0 ).
ln Frankreichs Interesse lag es allerdings, dass ein französischer
Prinz den Thron von Polen einnehme, — besonders bei seinen damaligen
ehrgeizigen Bestrebungen, die immer mehr ganz Europa
umfassten 1 ') ; und die Zuneigung der Polen für die Franzosen,
so wie der frühere Vorgang Heinrich’s von Anjou gaben Hoffnung
auf Erfolg. Frankreich aber hatte in Schweden seit dem dreissigjährigen
Kriege fortwährend den bedeutendsten Einfluss: iusbe-