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der lateinischen; er war kriegerisch gesinnt und tapfer, gutherzig
und religiös. Allein es fehlte ihm durchaus die Kraft und Stärke
des Charakters; daher verfiel er bald in schwache Nachgiebigkeit,
bald in Uebermuth und Willkür; die Gesetze des Staates verletzte
er öfter, Hass und Rachsucht trieben ihn gegen mehrere Grosse
des Reiches so weit, dass er sie zu offener Empörung veranlasst;
die, welche ihm in Allem beistimmten, überhäufte er mit Ehren und
Reichthümern, und während er die Rathschläge der Seinigen'verschmähte,
lieh er denen von Ausländern das willigste Gehör; in
der Religion zeigte er grosse Uebertreibung, wenn auch nicht aus
eigenem Antriebe bei ihm Verfolgung entsprang: so konnte er sich
die Liebe der Nation nicht erwerben, so wie er das Unglück von
dem Vaterlande nicht abzuwenden vermochte. Bei dieser Schwäche
des Charakters musste er dem überwiegenden Einflüsse und der
Herrschaft seiner Gemahlin bald und immer mehr unterliegen.
Louise Marie von Gonzaga, Tochter Karl’s von Gonzaga,
Herzogs von Nevers und dann von Mantua, und der Prinzessin
Katharina von Lothringen, früher vermählt mit König
Wladislav IV. und nach dessen Tode mit ihrem Schwager Johann
Casimir, besass viele natürliche Fähigkeiten, einen klaren und
scharfen Blick, grosse Menschen- und Weltkenntnis, Klugheit
und Schlauheit; sie verband damit einen starken Geist, festen und
kräftigen Charakter und feurigen Sinn; ihre Wohlthätigkeit, besonders
gegen die Ihrigen, gegen Arme und Klerus, wird allgemein
gelobt; sie stand dem Könige Johann Casimir in seinen schweren
Bedrängnissen mit Rath und That treu und kräftig zur Seite, und
er sah in ihr seine Hauptstütze. Allein sie war auch von grosser
Herrschsucht beseelt, und diese, verbunden mit ihrer Schlauheit,
führte den weiblichen Sinn zu Intriguen und Ränken, so wie die
Festigkeit nach der Gewohnheit des Weibes in Eigensinn überging;
als sie sich mit Johann Casimir vermählte, stand sie schon im reifen
Alter, wo ihr Wesen völlig ausgeprägt war; um so mehr erlangte
sie bald die Herrschaft über ihren schwachen Gemahl, und mischte
sich nun in alle Angelegenheiten des Staates. Hiezu kam aber die
übermässigste Liebe zu Frankreich, ihrem Heimatlande: seine
Interessen galten ihr Alles, ihnen opferte sie die derjenigen Nation,
deren Königin sie war; und bei dem Widerstande, den sie nolh- -
wendig hier finden musste, entstanden unaufhörliche Listen und
Sitzb. d. phil. hist. CI. VI. Bd. IV. Hft. 23