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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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der  lateinischen;  er  war  kriegerisch  gesinnt  und  tapfer,  gutherzig
und  religiös.  Allein  es  fehlte  ihm  durchaus  die  Kraft  und  Stärke
des  Charakters;  daher  verfiel  er  bald  in  schwache  Nachgiebigkeit,
bald  in  Uebermuth  und  Willkür;  die  Gesetze  des  Staates  verletzte
er  öfter,  Hass  und  Rachsucht  trieben  ihn  gegen  mehrere  Grosse
des  Reiches  so  weit,  dass  er  sie  zu  offener  Empörung  veranlasst;
die,  welche  ihm  in  Allem  beistimmten,  überhäufte  er  mit  Ehren  und
Reichthümern,  und  während  er  die  Rathschläge  der  Seinigen'verschmähte, ­
  lieh  er  denen  von  Ausländern  das  willigste  Gehör;  in
der  Religion  zeigte  er  grosse  Uebertreibung,  wenn  auch  nicht  aus
eigenem  Antriebe  bei  ihm  Verfolgung  entsprang:  so  konnte  er  sich
die  Liebe  der  Nation  nicht  erwerben,  so  wie  er  das  Unglück  von
dem  Vaterlande  nicht  abzuwenden  vermochte.  Bei  dieser  Schwäche
des  Charakters  musste  er  dem  überwiegenden  Einflüsse  und  der
Herrschaft  seiner  Gemahlin  bald  und  immer  mehr  unterliegen.
Louise  Marie  von  Gonzaga,  Tochter  Karl’s  von  Gonzaga, ­
  Herzogs  von  Nevers  und  dann  von  Mantua,  und  der  Prinzessin ­
  Katharina  von  Lothringen,  früher  vermählt  mit  König
Wladislav  IV.  und  nach  dessen  Tode  mit  ihrem  Schwager  Johann
Casimir,  besass  viele  natürliche  Fähigkeiten,  einen  klaren  und
scharfen  Blick,  grosse  Menschen-  und  Weltkenntnis,  Klugheit
und  Schlauheit;  sie  verband  damit  einen  starken  Geist,  festen  und
kräftigen  Charakter  und  feurigen  Sinn;  ihre  Wohlthätigkeit,  besonders ­
  gegen  die  Ihrigen,  gegen  Arme  und  Klerus,  wird  allgemein
gelobt;  sie  stand  dem  Könige  Johann  Casimir  in  seinen  schweren
Bedrängnissen  mit  Rath  und  That  treu  und  kräftig  zur  Seite,  und
er  sah  in  ihr  seine  Hauptstütze.  Allein  sie  war  auch  von  grosser
Herrschsucht  beseelt,  und  diese,  verbunden  mit  ihrer  Schlauheit,
führte  den  weiblichen  Sinn  zu  Intriguen  und  Ränken,  so  wie  die
Festigkeit  nach  der  Gewohnheit  des  Weibes  in  Eigensinn  überging;
als  sie  sich  mit  Johann  Casimir  vermählte,  stand  sie  schon  im  reifen
Alter,  wo  ihr  Wesen  völlig  ausgeprägt  war;  um  so  mehr  erlangte
sie  bald  die  Herrschaft  über  ihren  schwachen  Gemahl,  und  mischte
sich  nun  in  alle  Angelegenheiten  des  Staates.  Hiezu  kam  aber  die
übermässigste  Liebe  zu  Frankreich,  ihrem  Heimatlande:  seine
Interessen  galten  ihr  Alles,  ihnen  opferte  sie  die  derjenigen  Nation,
deren  Königin  sie  war;  und  bei  dem  Widerstande,  den  sie  nolh-  -
wendig  hier  finden  musste,  entstanden  unaufhörliche  Listen  und
Sitzb.  d.  phil.  hist.  CI.  VI.  Bd.  IV.  Hft.  23
            
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