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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

dien  Gesetzen  des  Staates  und  mit  dem  Willen  der  Nation  im
Widerspruche  stand,  und  womit  die  Dynastie  der  Wasa  in  Polen
ein  so  unrühmliches  Ende  nahm;  die  Allen  durchaus  unerwartete,
den  angestrengtesten  Bemühungen  spottende,  gänzlich  durch  Zufälligkeiten ­
  bewirkte  Wahl  seines  Nachfolgers  Wisniowiecki,  und  die
dem  entsprechende  unglückliche  Regierung  dieses  Königs  gehören
zu  den  merkwürdigsten  Partieen  in  dem  geschichtlichen  Leben  von
Polen.  Die  Geschichte  dieser  Begebenheiten  dürfte  daher  wohl  für
eine  genauere  und  tiefer  eingehende  Darstellung  geeignet  erscheinen,
und  vielleicht  auch  desshalb  der  hochverehrten  Classe  vorselest  zu
werden  nicht  unwürdig  sein,  weil  unser  hoher  kaiserlicher  Hof  in
bedeutendem  Maasse  dabei  betheiligt  war.
Mit  den  Quellen  für  diese  Geschichte  hat  es  eine  eigene  Bewandtniss.
  Zunächst  treten  unter  ihnen  die  polnischen  Geschichtschreiber ­
  hervor.  Hier  ist  das  wichtigste  Werk  A  n  dr.  C  hr  y  s  o  s  I.
Zaluski's  Epistolae  Historico-familiarcs  (T.  I.  1709.  fol.).
Es  enthält  eine  grosse  Anzahl  sehr  wichtiger  Actenstücke;  die
Briefe  sind  nach  ihren  Angaben  gleichzeitig  mit  den  Ereignissen,
und  nicht  für  das  Publicum  geschrieben,  daher  ein  reicher  Schatz
authentischer  Nachrichten  hier  vorliegt.  Indess  beschränken  sich
diese  meist  auf  die  äusserlich  erschienenen  Vorgänge,  die  sehr
ausführlich  erzählt  werden;  dagegen  von  dem  innern  Getriebe,
den  Bestrebungen,  Intriguen  und  Machinationen  der  Parteien,
dem  Einflüsse  der  einzelnen  Personen,  von  allen  geheimen  Verhandlungen ­
  kommen  nur  Andeutungen  vor,  und  zwar  auch  solche
nur  wenige;  nicht  einmal  die  Verträge  der  auswärtigen  Mächte
über  Johann  Casimir’s  Abdankung  und  die  Wahl  seines  Nachfolgers ­
  sind  in  irgend  erheblicher  Weise  angegeben;  überdies
ist  Alles  in  verschiedenen  Briefen  und  Berichten  zerstreut  und
lückenhaft,  eine  zusammenhängende  und  vollständige  Darstellung
fehlt.  Uebrigens  zeigt  der  Verfasser  klaren  und  scharfen  Verstand, ­
  ist  auch  nicht  ohne  Geist,  im  Alterthume  bewandert  und
durch  einen  für  seine  Zeit  guten  lateinischen  Styl  ausgezeichnet.
Ebenso  ausführlich  in  dem  Erzählen  der  äusserlichen  Ereignisse,
aber  noch  dürftiger  in  Bezug  der  Vorgänge  im  Innern  ist  der
gepriesene  Historiker  Vespasian  Koehowski  in  den  Annales
Poloniae  (Climacter  III.  1698.  fol.),  und  zwar  nach  seiner
eigenen  Erklärung  absichtlich;  er  erwähnt  nicht,  einmal  die  so
            
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