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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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Sicherheit  manche  Orilensmänner  jener  Klöster  mit  sich  nach
Oesterreich  nahmen,  um  auch  da  eine  Umstaltung  und  Verbesserung
der  geistlichen  Institute  vorzunehmen  *),  oder  dass  sic  doch
wenigstens  mit  ihnen  in  einen  engeren  Verband  und  lebhaften
Verkehr  traten 2 ).
Es  stehen  also  meiner  vom  historischen  Gesichtspuncte  aus
oben  aufgestellten  Vermuthung,  dass  auch  die  Kaiserchronik  von
Oesterreich  aus  sich  dahin  und  weiter  den  Rhein  hinab  verbreitet
haben  könne,  nicht  unwichtige  Beispiele  und  Thatsachen  zur  Seite.
Wenn  auch  Dr.  Weissmann  dies  in  Bezug  auf  das  Alexanderlied
dadurch  in  Abrede  stellt,  dass  er  an  nicht  wenigen  Stellen  des
Voraper  Textes  nur  eine  höchst  ungeschickte  Verstümmelung  und
Zusammenziehung  des  Strassburg-Molsheimischen  sehen  will 3 ),  so
kann  dies  wohl  nicht  in  Betracht  gezogen  werden  ,  da  er  für
seine  Behauptung  die  Beweise  schuldig  bleibt.  Die  nähere  Bekanntschaft ­
  mit  dem  Verhältnisse,  in  welchem  die  älteren  deutschen ­
  Dichtungen  gewöhnlich  zu  einander  stehen,  hätte  ihm  zeigen ­
  müssen,  dass  fast  ohne  Ausnahme  die  kürzeren  Texte  auch
die  älteren  seien 4 )  und  dass  die  Phantasie  der  ersten  Dichter
nieistentheils  nicht  Zeit  fand,  sich  in  vielem  Beiwerk  zu  ergehen,
sondern  unmittelbar  auf  die  Thatsachen  selbst  lossteuernd  diese
in  wenigen  aber  kräftigen  Zügen  einfach  und  anschaulich  darstellte. ­
  Dies  ist  namentlich  im  alten  Alexanderliede  der  Fall;  man
vergleiche  unparteiisch  die  ersten  zweihundert  Verse  beider  und
gewöhne  sich  an  die  dem  12.  Jahrh.  eigenthümliche  Orthographie
des  ältern,  so  wird  man  sich  bald  von  der  Wahrheit  des  Gesagten
überzeugen  und  wie  Wakernagel 5 )  meiner  Ansicht  beistimmen  6 ).
*)  Vgl.  Einleit,  zu  den  deutschen  Gedichten  d.  11.  und  13.  Jh.  S.  XVIII.
*)  Vgl.  Stenzei.  am  angef.  Orte.  S.  497.
3 )  Vgl.  Wei  esmann’s  Ausgabe  des  Alexanderliedes.  Frankfurt,  1850.  1,  XXI.
*)  Zum  Beispiel  Heinrich’s  Litanei  in  der  Lambrechter  und  Strassburg-Molsheimer
Hs.  bei  Massmann  Gedichte  1,  43.  ;  das  Leben  Jesu  in  der  Vorauer  und  Görlitzer
  Hs.Fundgr.  1,  127.;  die  Wiener  Hs.  der  Genesis  und  eines  Theiles  des
Exodus  und  jene  aus  Millstatt;  die  ältere  und  jüngere  Judith  in  den  Gedichten ­
  des  11.  u.  12.  Jh.;  die  Schöpfung  und  das  Angengi  in  Hahn’s  Ausgabe  der
Gedichte  des  12.  a.  13.  Jh.;  die  Kaiserchronik  in  ihrer  ältesten  Gestalt  und
deren  Umarbeitungen  ;  die  Dichtungen  vom  jüngsten  Gericht  und  dessen
Vorzeichen.
b )  W.  Wackernagel’s  Geschichte  der  deutschen  Literatur.  S.  163.
ö )  Deutsche  Gedichte  des  11.  u.  12.  Jh.  S  XLU.
Sitzb.  d.  phil.  hist.  CI.  VI.  Bd.  IV.  Hft.  22
            
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