332
IIMMii I III
quellen Oesterreichs unverkennbare Spuren, wie ich ein anderes
Mal darthun werde, von dem Bekanntsein der ofterwähnteu Dichtung-
schon in den Jahren zwischen 1130 — 40 nachweisen lassen,
so kommt man unwillkürlich auf die Vermuthung-, dass auch ihr
erster Verfasser in unsern Landen gelebt, und dass die Liebenberger
Hs. der ursprünglichen Bearbeitung ziemlich nahe gestanden haben
dürfte. Dass die Zeit ihrer ersten Abfassung nicht, wie man früher
glaubte, um das Jahr 11G0 zu setzen seihat bereits Massmann 2 )
und in der neuesten Zeit W. Wackernagel 3 ) bemerkt. Der erstere
spricht sich nicht genau hierüber aus, letzterer stellt sie in das
Jahr 1147, bis wohin die meisten altern Hss. reichen. Ich glaube
man kann sie füglich in die schon oben genannten Jahre zwischen
1130—40 setzen, dafür sprechen Keim, Versbau und überhaupt
die Eigenthümlichkeit der Sprache, dafür spricht der Umstand,
dass die mit der Voraucr auffallend zusammen stimmenden IIss,
zu München, bei Massmann Numero 6. M. und die Wiener No. 7.
W., mit dem Jahre 1138 abschliessen 4 ) , dafür spricht endlich die
ursprüngliche Eiutheilung der Dichtung selbst in zwei Haupttheile,
wovon der erste bis zum Tode des Kaisers Constantin und des
Papstes Sylvester 5 ) , der zweite bis zu jenem des Kaisers Lothar II.
f ) Lachmann über Singen und Sagen in den Abhandl. der Berliner Akad. d.
Wiss. 1835. S. 113.
2 ) Massmann’s Ausgabe der Kaiserchr. 1, Seite XVI.
3 ) Wackernagel. Geschichte der deutschen Literatur. Basel 1850, S. 173.
4 ) Massmann. Kaiserchr. 1, XXII.
5 ) Vgl. meine Ausgabe der Kaisercbronik Seite S35, 20 tvo cs heisst:
fwer da* liet uernomen liahe.
der fol einen pater nr fingen
in des hailigen gaiftes minno.
ze lobe fancte filuefter. dem hailigen herren.
und ze wegen finer armen feie.
der def liedef alre erift began.
fancte filuefter der hailige man.
der ift im genaedeclichen bi.
ante tronum domini.
und helfe allen den.
diz gezogenliche uernemen.
lebendigen und tote
den genade got der gute.
der himelifche herre.
hie an dem libe. dort an der feie.