Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

277'

und  sei  sehr  erfreut  über  diese  Erhebung.  Was  die  erbetene  Hilfe
betreffe,  so  würde  der  König,  wenn  seine  Lande  nahe  genug  lägen,
bei  Zeiten  zu  erscheinen  oder  Hilfe  zu  senden,  weder  Kosten
sparen  noch  seine  eigene  Person  wenn  es  Noth  thäte.  —  Doch  in
Anbetracht  der  grossen  Entfernung  noch  mehr  aber  in  Berücksichtigung, ­
  dass  gegenwärtig  im  Sclioosse  der  Christenheit  sich  so
manche  Fürsten  selbst  bekriegen,  die  doch  durch  Vermittlung
und  Zureden  ausgesöhnt  werden  könnten,  besonders  aber  da  eben
jetzt  die  grösste  Tyrannei  ausgeübt  werde  gegen  den  Statthalter
Christi,  welchen  zu  unterstützen  und  zu  schützen  die  erste  Pflicht
sei,  werde  Seine  königliche  Hoheit  mithin  alle  seine
Macht  und  Kraft  zunächst  auf  diese  Angelegenheit
wenden  müssen!  —  Zuletzt  dankte  er  Für  die  guten  Gesinnungen
des  Königs  vonUngcrn  und  erwiederte  dieselben  auch  von  seiner  Seite.
Der  Gesandte  hatte  einen  Bruder  bei  sich,  Stanislaus  von
Lasko,  welchen  der  König  auf  Bitte  des  ersteren  zum  Ritter
machte.  —  Gleich  darauf  verliessen  beide  den  Hof.  —
Diess  der  Inhalt  der  aus  dem  British  Museum  erhaltenen
Actenstücke.  —
Man  ersieht  daraus,  dass  König  Heinrich  VIII.  von  England
zwar  kein  offener  Gegner  des  Hauses  Habsburg  damals  gewesen, ­
  dass  er  jedoch  sein  Benehmen  so  zweideutig  einrichtete,  dass
die  Feinde  desselben  ihn  zu  den  Ihren  zählten.  —  Im  folgenden
Jahre  1528  erst  schloss  er  sich  offen  an.  —  Heinrich  der  VIII.
wollte  nicht,  dass  das  Haus  Habsburg  stark  und  mächtig  werde,
wollte  aber  auch  kein  anderes  empor  kommen  lassen,  er  w  ar  ja
der  vollkommenste  Egoist.  —  Im  Jahre  1527  wollte  er  noch  als
Stütze  des  Papstes  gelten,  er  hoffte  ja  zuversichtlich  von  ihm
Willfährigkeit  —  in  der  Ehescheidungssache.  —  Er  wollte  den
Kaiser  in  Schach  halten  und  desshalb  sein  halb  feindliches  Benehmen ­
  auch  in  der  ungrischen  Angelegenheit,  —
Hätten  wir  mehr  Actenstücke,  könnten  wir  noch  klarer  sehen  5
doch  selbst  diese  wenigen  genügen,  um  einen  Blick  zu  gewähren
in  die  Politik  der  damaligen  Zeit.  —
Vielleicht  werden  wir  späterhin  des  englischen  Gesandten
Wallop’s  Behauptung  hinsichtlich  der  deutschen  Reichsfürsten
und  ihrer  wenig  freundlichen  Gesinnungen  für  das  Haus  Habsburg
einer  ähnlichen  Beleuchtung  unterziehen.  —
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.