241
Habsburg im vollsten Umfange und In unzerstückelter Uebersicht,
gehört zu den schwierigsten und mühsamsten Aufgaben, deren
glückliche Lösung noch nicht gelang, ja noch gar nicht versucht
wurde.
Was unter diesem Titel existirt, ist entweder Bruchstück
oder von vorne herein nichts weniger als Geschichte des Hauses.
So zahlreich und umfänglich die Literatur der Geschichte
des Hauses Habsburg, das ist der Beiträge zur selben,
auch sein mag, so fehlen doch selbst noch die Vorbedingungen,
ohne welche eine befriedigende Geschichte ganz unmöglich ist;
für eine derselben will die kaiserliche Akademie der Wissenschaften
sorgen durch die Sammlung und Herausgabe von „Mo n umentis
Hab s b urgicis,” freilich nur für den fünften Theil
der Zeit, in welcher das Habsburgisclie Haus regierte, — doch ist
dieses eben der wichtigste Zeitraum. —
2. Da ich mir die Geschichte des Hauses Habsburg,
insbesondere eines grossem Abschnittes derselben zum Gegenstände
der sorgfältigsten mitunter sogar minutiösesten Forschung
gewählt und daraus eine Lebensaufgabe gemacht habe, so
sei es mir gestattet, ausser den grösseren umfänglicheren Aufsätzen
und Quellen-Sammlungen, welche ich von Zeit zu Zeit zu
liefern gedenke, auch in kleineren Aufsätzen, die ich „habsburgische
Excurse” nennen will, Beiträge zur Geschichte dieses
hochwichtigen Hauses zusammen zu stellen, so wie ich früher
unter dem Titel: „Historische Mitth eilunge n,” nicht wenige
Actenstücke veröffentlichte, die zum grössten Theile Ilabsburgica
enthalten.
Diese Excurse sollen jedoch nicht die Actenstücke selbst, sondern
mehr die Resultate aus denselben zur Sprache bringen,
da ich die Nothwendigkeit einzusehen beginne , diess selbst zu
thun, wenn man Beachtung derselben wünscht. —
Ich halte die gewöhnliche Weise, die Geschichte nach Persönlichkeiten
und Individuen zu begränzen und zu betreiben
für eine verfehlte, wenigstens für eine einseitige, unzureichende.
—
Die Verhältnisse sind stärker und unüberwindlicher als
die Personen und Individuen. — Allerdings haben die Charaktere
und Individualitäten nicht wenig Einfluss, sie modificiren die Ver-