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männlichen, und unter Leopold I. auch den weiblichen Hofadel
— letzteren also viel früher, als man bisher angenommen—auf
der Hofhühne; die dramatische Kunst ist ganz in die höchste
Schichte der Gesellschaft gedrungen; Maria Theresia entzückt
sammt ihrer Schwester Marianne im Gesang und Spiel die Zuhörerschaft;
Erzherzog Joseph, nachmals als Joseph der Zweite ein
ebenso kostbarer Schmuck des österr. Herrscherthrones, schmückt
zugleich mit 4 Erzherzoginnen durch Mitwirkung auch die theatralische
Vorstellung am Hofe. Alles diess wird in der nachfolgenden
Darstellung aus gleichzeitigen Handschriften und Drucken unwiderlegbar
bewiesen. Warum sollt’ ich mir nun, wo erwiesen ist,
dass überhaupt die Verschönerung des Lebens am Hofe und das
Gebiet der Unterhaltungen unter dem weiblichen Scepter stand,
hier nebst urkundlich erweisbaren Thatsachen nicht auch die
Vermulhungen anzuführen erlauben, dass an der Anstellung von
Hofschauspielern und Hoftänzern unter Max II, sowie an dem Schutze
der ausgezeichneten fremden Scliauspielergesellscliaften unter K.
Matthias, an der Erweckung und Pflege des musikalischen Talentes
K. Ferdinand’s III. und seines Sohnes Leopold I., sowie an dem
mächtigen Schutze, den letzterer der Musik angedeihen liess, —
höchst wahrscheinlich hier die Gemahlinnen, dort die Mütter Veranlassung
gegeben? Wer könnte endlich daran zweifeln, dass nur
ihrem Einflüsse jene Sittenreinheit zu verdanken ist, in welcher
sich die Hofhühne in der ganzen Zeit der grössten Sittenverderbtlieit
durch die Improvisationen des Volkstheaters erhalten?
Doch wir wollen nun die halbverblichenen Urkunden, welche
uns die Hoftheaterbilder nach einem Zeitraum von fast 300 Jahren
wieder lebendig vorführen, grossentheils selbst sprechen lassen.
Der Spruch Jac. Grimm’s: „festen Schritts auf irdischem Boden
wandelt die Geschichte,” sei auch mein Wahlspruch. Die Schilderungen
vom Jahre I5G0 bis 1626 werden daher noch etwas trocken
sein. Von dieser Zeit an bis 1660 darf man die undeutlichen Stellen
der Originale schon durch die deutlicheren Farben der späteren
Zeit sich aufzufrischen und zu erklären erlauben: weil auf das alte
Herkommen strenge gehalten wurde, daher von späteren Jahren,
wo die Quellen schon deutlicher und ausführlicher sprechen, mit
Sicherheit der Schluss auf frühere gemacht werden konnte. Von
den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts aber bis 1740 bedarf