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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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männlichen,  und  unter  Leopold  I.  auch  den  weiblichen  Hofadel
—  letzteren  also  viel  früher,  als  man  bisher  angenommen—auf
der  Hofhühne;  die  dramatische  Kunst  ist  ganz  in  die  höchste
Schichte  der  Gesellschaft  gedrungen;  Maria  Theresia  entzückt
sammt  ihrer  Schwester  Marianne  im  Gesang  und  Spiel  die  Zuhörerschaft; ­
  Erzherzog  Joseph,  nachmals  als  Joseph  der  Zweite  ein
ebenso  kostbarer  Schmuck  des  österr.  Herrscherthrones,  schmückt
zugleich  mit  4  Erzherzoginnen  durch  Mitwirkung  auch  die  theatralische ­
  Vorstellung  am  Hofe.  Alles  diess  wird  in  der  nachfolgenden
Darstellung  aus  gleichzeitigen  Handschriften  und  Drucken  unwiderlegbar ­
  bewiesen.  Warum  sollt’  ich  mir  nun,  wo  erwiesen  ist,
dass  überhaupt  die  Verschönerung  des  Lebens  am  Hofe  und  das
Gebiet  der  Unterhaltungen  unter  dem  weiblichen  Scepter  stand,
hier  nebst  urkundlich  erweisbaren  Thatsachen  nicht  auch  die
Vermulhungen  anzuführen  erlauben,  dass  an  der  Anstellung  von
Hofschauspielern  und  Hoftänzern  unter  Max  II,  sowie  an  dem  Schutze
der  ausgezeichneten  fremden  Scliauspielergesellscliaften  unter  K.
Matthias,  an  der  Erweckung  und  Pflege  des  musikalischen  Talentes
K.  Ferdinand’s  III.  und  seines  Sohnes  Leopold  I.,  sowie  an  dem
mächtigen  Schutze,  den  letzterer  der  Musik  angedeihen  liess,  —
höchst  wahrscheinlich  hier  die  Gemahlinnen,  dort  die  Mütter  Veranlassung ­
  gegeben?  Wer  könnte  endlich  daran  zweifeln,  dass  nur
ihrem  Einflüsse  jene  Sittenreinheit  zu  verdanken  ist,  in  welcher
sich  die  Hofhühne  in  der  ganzen  Zeit  der  grössten  Sittenverderbtlieit
  durch  die  Improvisationen  des  Volkstheaters  erhalten?
Doch  wir  wollen  nun  die  halbverblichenen  Urkunden,  welche
uns  die  Hoftheaterbilder  nach  einem  Zeitraum  von  fast  300  Jahren
wieder  lebendig  vorführen,  grossentheils  selbst  sprechen  lassen.
Der  Spruch  Jac.  Grimm’s:  „festen  Schritts  auf  irdischem  Boden
wandelt  die  Geschichte,”  sei  auch  mein  Wahlspruch.  Die  Schilderungen ­
  vom  Jahre  I5G0  bis  1626  werden  daher  noch  etwas  trocken
sein.  Von  dieser  Zeit  an  bis  1660  darf  man  die  undeutlichen  Stellen
der  Originale  schon  durch  die  deutlicheren  Farben  der  späteren
Zeit  sich  aufzufrischen  und  zu  erklären  erlauben:  weil  auf  das  alte
Herkommen  strenge  gehalten  wurde,  daher  von  späteren  Jahren,
wo  die  Quellen  schon  deutlicher  und  ausführlicher  sprechen,  mit
Sicherheit  der  Schluss  auf  frühere  gemacht  werden  konnte.  Von
den  sechziger  Jahren  des  17.  Jahrhunderts  aber  bis  1740  bedarf
            
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