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Der Secretär liest folgenden von dem corresp. Mitgl. Hrn.
Schlager über das alle Wr. Hoftheatcr vorgelegten Aufsatz:
Der Zweck, welcher mir hei dem Aufsatze: „über das Lehen
und Wirken mittelalterlicher dramatischer Kunst in Wien” im 3
Theile meiner Wiener Skizzen vorgeschwebt, nämlich: begabteren
Fachmännern Materialien zur Geschichte der österr. Volkstheater
zu liefern, ist erreicht worden; die Herren R. E. Prutz und
Eduard Devrient haben in ihren Geschichten des deutschen
Theaters, wovon erstere 1847 in Berlin, diezweite 1848 in Leipzig
erschien, den von mir gegebenen Stolf benützt. Ich beklagte,
Seite 204, in meinen obenangeführten Skizzen den Mangel an Quellen
für die ältere Geschichte des Wiener Hoftheaters. Seitdem sind mir
solche, und zwar unerwarteter Weise , von früherer Zeit und reichere
als ich je gehofft zur Hand gekommen. Ich fühle mich daher
ebenfalls verpflichtet sie zu veröffentlichen. Diese Theater-Geschichte
war, zumal vor dem Regierungsantritte K. Leopold’s I.,
bisher eine ganz verlassene Waise, der nun die erste Nahrung zufiiesst;
ihre Fortsetzung aber bis zum Tode Karl’s VI. ist nun
noch mancher Ergänzung bedürftig, für welche ich die quellenmässigen
Belege beibringe.
Vorliegende Blätter setzen die Geschichte des Hof-Schauspieles
in Wien noch weit über die Zeit Leopold’s I., welchem
bisher die Einführung desselben zugeschrieben wurde, und zwar
bis zur bleibenden Residenz Kaisers Max II. in Wien hinauf. »Sie
noch weiter zurückzuführen, ist nicht möglich, weil zur Hofcomödie
eine Hofhaltung nöthig, aber zur Zeit, wo das Drama in
Deutschland der Kirche und Schule zu entwachsen angefangen,
Wien sich fast durch ein Jahrhundert keines bleibenden Hoflagers
erfreute, da nach K. Ladislaus Tode weder Friedrich der IV.,
noch Max I., noch Ferdinand I. bleibend hier verweilten.
Um die Hofschauspielc so weit zurückzuleiten, muss man sie
sich aber nicht in ihrem gegenwärtigen Apparate, sondern nach
ihrem jeweiligen Kleide und unter dem zeitgemässen Obdache vorstellen
; denn zwischen der ersten urkundlichen Wurzel des Dramas,
den Vorstellungen Paul’s von Antorf und seiner „Gesellen” 1500
11 ni den Lohn von 4 Thalern, oder den Productionen des Hofschauspiclers
Tahorino, und Arch’s, Hoftänzers Kaisers
Max II,, und dem „Grossmognl” , einer „gesungenen Vorstel-10
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