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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  das  mitteldeutsche  Buch  der  Väter.

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Fr.  Pfeiffer  erklärt  Marienlegenden  p.  XVI.,  dass
der  Verfasser  des  Passionais  und  des  Buchs  der  Väter
,es  liebe  hie  und  da  im  Texte  (nicht  am  Schlüsse  von  Abschnitten ­
  !)  Paare  von  drei  gleichlautenden  Reimen  sich  folgen
zu  lassen'  und  betrachtet  diese  Eigentümlichkeit  allein  schon
als  einen  entscheidenden  und  vollgültigen  Beweis,  dass  das
Passional  und  das  Buch  der  Väter  von  demselben  Dichter
herrühre,  denn  diese  Eigentümlichkeit  sei  bei  keinem  anderen
Dichter  wahrgenommen  worden. 1
In  den  nicht  zweihundert  Reimzeilen,  die  Diefenbach
aus  dem  Werke  mitgetheilt  hat,  von  denen  noch  überdies  die
Verse  des  Schreibers  müssen  in  Abzug  gebracht  werden,  bildet
sich  S.  14  die  Stelle:
Zu  de  die  by  der  zesewen  sint
Nu  komt  min  vil  liebe  kint
Die  mine  fater  geseget  sint
Besitzet  froliche
Daz  ewiac  (sic)  riche
Vil  geweldecliche.
Schon  diese  eine  Stelle  mit  zweimal  drei  gleichen  Reimen
würde  den  Beweis  hersteilen,  dass  der  Barlaam  und  Josaphat ­
  der  Laubacher  Hs.  mit  dem  Buch  der  Väter  und  dem
Passional  den  Verfasser  gemein  habe.  Wenn  nun  jemand
einwenden  wollte,  dass  ein  Nachahmer  darauf  verfallen  sein
könnte,  so  liegen  in  den  wenigen  von  Diefenbach  abgedruckten ­
  Versen  noch  Beweise  vor,  dass  wir  es  mit  keinem
Nachahmer  zu  thun  haben,  sondern  mit  dem  Erfinder  der
1  ,Zweimal  drei  gleiche  Reime  hat  sich  nur  der  Verfasser  des  Passionais
erlaubt“  W.  Grimm,  Geschichte  des  Reims  S.  100—101.  ,Nicolaus
von  Jeroschin  hat  sie  von  ihm  gelernt“  Fr.  Pfeiffer  Beiträge  zur
Geschichte  der  mitteldeutschen  Sprache  und  Litteratur  S.  LII.  Zu  dem
von  Fr.  Pfeiffer  in  den  Marienlegenden  S.  XVI.  angeführten  Beispiele
hat  Zingerle  Sitzungsberichte  LXIV,  152  ein  zweites  aus  der  Leipziger ­
  Hs.  beigebracht,  nämlich  die  sechs  Verse,  aus  der  zweiten  Vorrede
l d  174  —  179.  Es  Hessen  sicli  noch  andere  beibringen,  wenn  es  notliwendig
  wäre,  diese  allgemein  anerkannte  Eigenheit  des  Dichters  erst
noch  weitläuftig  zu  beweisen.  Damit  sie  übrigens  jedermann  leicht  finde,
will  ich  die  Stellen  hier  angeben:  Crist  :  ist  :  bist  :  schöne  :  cröne  :  löne
30 b  62;  treit:  ewiclieit  :  clärheit  :  Syön  :  lön  :  döu  30 b  74;  wären  :  jären  :
enpäreu  :  pflägen  :  lägen  :  vrägen  129°  105.
            
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