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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

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H  a  u  p  t.

Fortschreiten  seiner  Werke  auch  in  der  Kunst  fortschreitet.
So  hoch  der  eselhütende  Löwe  des  Passionals  über  dem  des
Buches  der  Väter  steht,  eben  so  hoch  übertrifft  an  feiner
Darstellung  der  böse  Julian  im  dritten  Bliche  den  im  zweiten.
Wer  nur  einen  oberflächlichen  Blick  auf  den  eselhütenden
Löwen  in  beiden  Recensionen  wirft,  sieht,  dass  sich  der  Dichter
im  Verlaufe  der  Arbeit  jenen  Lakonismus  der  Kunst  aneignet,
den  Göthe  als  eines  der  wichtigsten  Gesetze  ausgesprochen  hat.
Ich  hoffe,  es  wird  niemand  mehr  dem  Dichter  zumuthen,  eine
fremde  Arbeit  überarbeitet  zu  haben,  wie  das  Gödeke  1.  c.
eben  wegen  dieses  eselhütenden  Löwen  gethan  hat.

5.  In  der  Vorrede  zum  zweiten  Theile  59'‘147—150  sagt
der  Dichter:
Ob  lihte  anderswä  nu  hat
ieman  diz  bvche  getihtet  unde  in  dütsch  berihtet
des  enkan  ich  wizzen  niht.
Diese  Worte  können  nur  bestimmt  sein,  einen  ihm  gemachten ­
  Vorwurf  abzuwehren.  Offenbar  musste  er  im  ersten
Theile  solche  Stücke  bearbeitet  haben,  die  auch  schon  andere
,in  dütsch"'  berichtet  hatten.  Welche  können  dies  nun  sein?
Ueberblickt  man  den  Inhalt  des  Lib.  I.  der  Vitae  patrum,
so  fällt  zunächst  eine  Legende  in  die  Augen,  die  allerdings
schon  in  der  ersten  Hälfte  des  XIII.  Jahrhunderts  ist  bearbeitet
worden,  nämlich  Barlaam  und  Josaphat  von  Rudolf
von  Emse.
Ein  deutscher  Barlaam  und  Josaphat,  streng  und
genau  in  der  Weise  des  Dichters,  ist  erhalten  und  zwar  in
einer  Hs.  der  Grafen  Solms  zu  Laubach.
Zum  erstenmal  von  derselben  hat  Nachricht  gegeben
Beneke  in  den  Göttinger  gel.  Anzeigen  Jahrg.  1820  Stück  34,
wo  er  die  Ausgabe  des  Rudolfischen  Barlaam  von  Köpke
Berlin.  1818.  8°.  anzeigt.  Weitere  Berichte  mit  der  Vor-  und
Schlussrede  sammt  einem  Stück  aus  dem  Texte  selbst  gab
L.  Diefenbach  ,Mittheilungen  über  eine  noch  ungedruckte
mittelhochdeutsche  Bearbeitung  des  Barlaam  und  Josaphat.
Giessen  1836.  8°.‘
            
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