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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

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H  a  n  p  t.

Meine  Arbeit  wird  sich  dem  gemäss  in  drei  Abschnitte
theilen;  in  dom  ersten  will  ich  von  der  Composition  des  Buches
und  seinem  Verhältniss  zu  den  Vitae  patrum  handeln,  in
dem  zweiten  die  Selbstbekenntnisse  des  Dichters  erwägen,  die  in
den  Vorreden  und  Nachreden  seiner  Werke  zerstreut  sind,
und  im  dritten  zum  ersten  Male  die  Iiss.  zusammenstellen,  in
denen  uns  sein  Werk  zum  grösseren  oder  geringeren  Theil
überliefert  ist.
Ich  benütze  eine  Abschrift  der  Leipziger  Hs.,  die  aus
dem  Nachlasse  J.  Dieme  rs  in  den  Besitz  der  k.  k.  Hofbibliothek
  übergegangen  ist  und  daselbst  als  Hs.  Suppl.  2766—2769
aufbewahrt  wird.  Diese  Abschrift  wurde  von  dem  verdienten
Entdecker  der  Vorauer  Hs.  äusserst  sorgfältig  auf  eingerahmten
Seiten  zu  21  und  26  Zeilen  in  4“  gefertigt,  er  hat  die  Spalten  der
Leipziger  Vorlage  mit  a  b  c  d  bezeichnet,  die  Verse  eines
jeden  Blattes  von  i—x  gezählt,  so  dass  durch  diese  Angaben
jeder  Zeit  die  treffende  Stelle  in  der  Vorlage  kann  gefunden
werden.  Auf  diese  Zeichen  und  Zahlen  gehen  also  die  in  den
folgenden  Mittheilungen.

I.
Das  Buch  der  Väter  und  die  Vitae  Patrum.
1.  Ich  habe  schon  bemerkt,  dass  sich  die  Vitae  patrum
und  das  Buch  der  Väter  nicht  so  vollkommen  decken,  als
man  bisher  geglaubt  hat;  der  md.  Dichter  hat  vielmehr  den
lateinischen  Text  nur  als  Stoff  angesehen,  den  er  ganz  frei
behandelt.  Er  übersetzt  nicht,  wie  man  eben  im  Mittelalter
übersetzt  hat,  sondern  er  sucht  aus  den  gegebenen  Erzählungen
in  sich  abgeschlossene  ,Maeren‘'  zu  bilden.  Diese  Kühnheit,
die  in  jener  Zeit  sogar  unter  den  weltlichen  Dichtern  nur
Wolfram  von  Eschenbach  besessen  hat,  ist  vollends  unter
den  geistlichen  gegenüber  einem  geistlichen  Buche  unerhört,
sie  verdient  schon  deshalb  ausführlich  nachgewiesen  zu  werden.
Der  Dichter  eröffnet  sein  Werk  mit  einer  Vorrede: 1
Adonay  des  gewaldes  got  Des  grozer  crefte  gebot
Die  gescheffede  liez  werden  Beide  himels  vn  der  erden
1  Die  Stellen  aus  der  Hs.  gebe  ich  liier  lind  überall,  wie  ich  sie  finde:
ich  interpungire  blos  und  stelle  Längezeichen,  wohin  sie  gehören.
            
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