Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  die  Datirung  einiger  Urkunden  Kaiser  Friedrichs  II.

283

ist  dasselbe  zweifellos  nur  als  Quelle  untergeordneten  Wertlies
zu  betrachten.  Einmal,  weil  es  sich  nicht  um  eine  den  Ereignissen ­
  gleichzeitige  Aufzeichnung  handelt;  dann,  weil  sein
Zweck  kein  reichsgcschichtlicker  war,  für  seinen  Zweck  nichts
daran  lag,  ob  die  nebenbei  erwähnten  Ereignisse  von  reichsgeschichtlichem ­
  Interesse  genau  dargestellt  waren,  oder  nicht.
Ich  zweifle  nicht,  dass  der  Verfasser  auch  solche  Ereignisse
so  richtig  erzählen  wollte,  als  er  sich  ihrer  erinnerte  oder  als
er  sie  gehört  hatte,  während  er  andererseits  auch  kein  Interesse
daran  hatte,  sich  da  um  möglichste  Richtigkeit  seiner  Erzählung
zu  bemühen.  In  der  bezüglichen  Stelle  erzählt  der  Verfasser,
dass  das  Ende  seines  Helden,  des  frommen  Bruder  Elger,
herannahte,  regnante  tune  Friderico  imperatore  secundo,  qui  convocacionem
  principum  m  Alemannia  liabuit  in  Frankenfort,  wohin
auch  der  Landgraf  Heinrich  berufen  wurde,  welchen  Elger  begleitete. ­
  Des  Kaisers  wird  mit  keiner  Silbe  weiter  gedacht.
Irrte  der  Verfasser  etwa  darin,  dass  nicht  der  Kaiser,  sondern
der  König  Konrad  den  Tag  abhielt,  so  wird  man  ihm  das  nicht
hoch  anrechnen  dürfen.  Eben  so  wenig,  wenn  der  Sachverhalt
etwa  der  war,  dass  der  Fürstentag  nur  von  dem  in  Italien
weilenden  Kaiser  angeordnet  wurde,  ohne  dass  er  selbst  erschien,
wie  sich  dafür  ja  Beispiele  finden;  deutet  das  Wort  liabuit
allerdings  zunächst  auf  persönliche  Anwesenheit,  so  würde  es
sich  doch  kaum  um  eine  übermässige  Nachlässigkeit  der  Fassung
handeln,  falls  dem  Verfasser  auch  bekannt  gewesen  wäre,  dass
der  Tag  nur  ein  vom  Kaiser  berufener,  nicht  auch  besuchter
war.  Mag  nun  diese  oder  jene,  oder  irgend  eine  andere  Erklärung ­
  die  zutreffende  sein;  keinenfalls  wird  uns  jene  Stelle
als  Beweis  für  eine  Thatsache  genügen  dürfen,  welcher  bei
näherer  Erwägung  der  Umstände  die  Gesammtheit  der  übrigen
Zeugnisse  aufs  bestimmteste  widerspricht.
An  und  für  sich  viel  gewichtiger  ist  nun  allerdings  das
urkundliche  Zeugniss,  wonach  der  Kaiser  am  20.  November  1241
zu  Wien  war.  Der  Zweck  einer  solchen  Reise  könnte  eine
Zusammenkunft  mit  dem  Herzoge  Friedrich  gewesen  sein,  mit
dem  der  Kaiser  seit  zwei  Jahren  wieder  in  gutem  Einvernehmen
stand;  es  würde  sich  dann  etwa  um  die  Besprechung  von  Massregeln
  gegen  die  noch  immer  drohende  Mongolengefahr  gehandelt ­
  haben,  obwohl  der  Kaiser  dieser  im  allgemeinen  wohl
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.