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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  die  Datirung  einiger  Urkunden  Kaiser  Friedrichs  II.

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Umständen  gewagt  sein.  Erwägen  wir  dabei  die  Nothwendigkeit
  eines  zweimaligen  Alpenübergangs  im  März  und  im  April,
also  in  der  Jahreszeit,  wo  die  Ueberschreitung  der  Pässe  am
beseliwerliclisten  und  bedenklichsten  zu  sein  pflegt,  so  dürfte
da  kaum  noch  von  einer  Möglichkeit  die  Rede  sein  können.
Und  hatte  der  Kaiser,  wenn  er  sich  überhaupt  einmal  zum  Verlassen ­
  des  Winterquartiers  entschloss,  es  irgend  nöthig,  nicht
allein  hin,  wo  das  seine  Erklärung  findet,  sondern  auch  zurück
einen  solchen  Eilritt  zu  machen?  Sollte  er  wirklich  die  Gelegenheit ­
  unbenutzt  gelassen  haben,  auf  der  Rückkehr  ordnend
in  die  oberitalienischen  Verhältnisse  einzugreifen?  Und  was
konnte  ihn  veranlassen,  gerade  bis  Neapel  zurückzukehren,
wenn  die  Behaglichkeit  des  Ueberwinterns  im  Königreiche  doch
einmal  gestört  war?  Waren  seine  Blicke  damals  zunächst  auf
Rom  gerichtet,  was  war  dann  natürlicher,  als  dass  er  rückkehrend ­
  etwa  in  Tuszien  Stellung  nahm?
Dazu  kommt  nun  das  Fehlen  jedes  urkundlichen  Zeugnisses, ­
  jeder  Erwähnung  bei  solchen-  deutschen  und  italienischen
Geschichtschreibern,  welche  den  Kaiser  und  die  allgemeineren
Reichsverhältnisse  bestimmter  verfolgen.  Die  Reise  eines  Kaisers,
zumal  zu  einem  Hoftage,  pflegt  mancherlei  Spuren  zurückzulassen ­
  ;  es  dürfte  sich  kein  Beispiel  finden,  wo  diese  so  gänzlich ­
  fehlen  würden,  wie  hier.  War  es  auf  einen  Hoftag  abgesehen, ­
  so  musste,  wollte  der  Kaiser  nicht  wochenlang  in  Deutschland ­
  warten,  derselbe  nicht  blos  im  allgemeinen*  sondern  mit
Angabe  von  Zeit  und  Ort  den  Fürsten  von  Apulien  her  angekündigt ­
  sein;  die  Reise  musste  geraume  Zeit  vorher  beschlossen
sein.  Dennoch  findet  sich  in  den  mancherlei  Schreiben  und
Verfügungen  des  Kaisers  aus  diesem  Winter  nicht  das  geringste,
was  auf  die  Absicht  längerer  Abwesenheit  deutete,  welche  doch
auch  im  Königreiche  besondere  Vorkehrungen  nöthig  gemacht
haben  würde.  Es  ist  richtig,  dass  es  Hoftage  gibt,  welche  die
Geschichtschreiber  nicht  erwähnen;  wir  lernen  sie  aus  den  dort
ausgestellten  Urkunden  kennen.  Würden  nun  nicht  gerade
damals,  wenn  der  Kaiser  nach  mehrjähriger  Abwesenheit  nach
Deutschland  kam,  seine  Anhänger  die  Gelegenheit  benutzt
haben,  sich  zahlreiche  Verbriefungen  von  demselben  zu  erwirken? ­
  Sollte  uns  gerade  von  diesen  keine  erhalten  sein?
Schirnnacher  erinnert  an  die  Reise  nach  Deutschland  1212.
            
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