Ueber die Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedrichs II.
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Umständen gewagt sein. Erwägen wir dabei die Nothwendigkeit
eines zweimaligen Alpenübergangs im März und im April,
also in der Jahreszeit, wo die Ueberschreitung der Pässe am
beseliwerliclisten und bedenklichsten zu sein pflegt, so dürfte
da kaum noch von einer Möglichkeit die Rede sein können.
Und hatte der Kaiser, wenn er sich überhaupt einmal zum Verlassen
des Winterquartiers entschloss, es irgend nöthig, nicht
allein hin, wo das seine Erklärung findet, sondern auch zurück
einen solchen Eilritt zu machen? Sollte er wirklich die Gelegenheit
unbenutzt gelassen haben, auf der Rückkehr ordnend
in die oberitalienischen Verhältnisse einzugreifen? Und was
konnte ihn veranlassen, gerade bis Neapel zurückzukehren,
wenn die Behaglichkeit des Ueberwinterns im Königreiche doch
einmal gestört war? Waren seine Blicke damals zunächst auf
Rom gerichtet, was war dann natürlicher, als dass er rückkehrend
etwa in Tuszien Stellung nahm?
Dazu kommt nun das Fehlen jedes urkundlichen Zeugnisses,
jeder Erwähnung bei solchen- deutschen und italienischen
Geschichtschreibern, welche den Kaiser und die allgemeineren
Reichsverhältnisse bestimmter verfolgen. Die Reise eines Kaisers,
zumal zu einem Hoftage, pflegt mancherlei Spuren zurückzulassen
; es dürfte sich kein Beispiel finden, wo diese so gänzlich
fehlen würden, wie hier. War es auf einen Hoftag abgesehen,
so musste, wollte der Kaiser nicht wochenlang in Deutschland
warten, derselbe nicht blos im allgemeinen* sondern mit
Angabe von Zeit und Ort den Fürsten von Apulien her angekündigt
sein; die Reise musste geraume Zeit vorher beschlossen
sein. Dennoch findet sich in den mancherlei Schreiben und
Verfügungen des Kaisers aus diesem Winter nicht das geringste,
was auf die Absicht längerer Abwesenheit deutete, welche doch
auch im Königreiche besondere Vorkehrungen nöthig gemacht
haben würde. Es ist richtig, dass es Hoftage gibt, welche die
Geschichtschreiber nicht erwähnen; wir lernen sie aus den dort
ausgestellten Urkunden kennen. Würden nun nicht gerade
damals, wenn der Kaiser nach mehrjähriger Abwesenheit nach
Deutschland kam, seine Anhänger die Gelegenheit benutzt
haben, sich zahlreiche Verbriefungen von demselben zu erwirken?
Sollte uns gerade von diesen keine erhalten sein?
Schirnnacher erinnert an die Reise nach Deutschland 1212.