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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

Zwei  Briefe  Herbart’s.

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und  Mittheilungen,  die  sich  auf  Herbart’s  Hauslehr  er  leben  im
Hause  des  Berner  Patriziers  von  Steiger  bezogen,  sodann  als
abgesondertes  Werk  im  vergangenen  Jahre  Oi’iginalbriefe  und
Actenstücke  von  und  über  Herbart  unter  dem  Titel  Herbar  tische
Reliquien  (Leipzig  1871),  soweit  es  ihm  gelungen,  dieselben
zusammenzubringen.  Die  Mehrzahl  der  Briefe  ist  an  den  sehr
geliebten  einstigen  Zögling  Carl  von  Steiger  in  Bern  und  an  den
Jugendfreund  Herbart’s,  den  nachher  als  Patriot  und  Politiker
berühmt  gewordenen  Bürgermeister  Johannes  Smidt  von  Bremen
gerichtet.  Zu  dem  Werthvollsten  gehören  die  Rectoratsrede  eines
einstigen  unmittelbaren  Schülers  von  Herbart,  des  Geheimraths
und  Professors  der  Rechte  zu  Königsberg  Dr.  Fr.  D.  Sanio,  über
Herbart  als  Lehrer  der  Universität  von  Königsberg,  sowie  eine
Reihe  von  Festreden,  die  Herbart  als  Präsident  der  Königsberger ­
  Kant-Gesellschaft  alljährlich  an  Kant’s  Geburtstag  zu
halten  gewohnt  war.  Beide  liefern  den  Beweis,  nicht  nur,  welcher
Verehrung  Herbart  mit  Grund  bei  seinen  Zuhörern  sich  erfreute, ­
  sondern  auch,  welcher  Pietät  er  selbst,  bei  der  unabhängigsten ­
  wissenschaftlichen  Stellung,  gegen  Denjenigen  fähig
war,  zu  dessen  Andenken  er  sich  öffentlich  am  Schluss  der
Vorrede  zü  seiner  Allgemeinen  Metaphysik  (1828),  sowie  in
der  Rede  an  Kant’s  Geburtstag  (22.  April)  vom  Jahre  1832
einen  ,Kantianer'  nannte.
Ich  hebe  hier  letztere  Stelle  hervor,  weil  sie  mit  einem
der  Beiträge,  die  ich  der  h.  Classe  heut  vorlege,  direct  im
Zusammenhang  steht.  Herbart  war  sich  bewusst,  dass  obige  Bezeichnung ­
  bei  Jenen,  die  wussten,  dass  er  an  Stelle  der  Kant’-schen
  eine  in  vielen  und  darunter  wichtigen  Dingen  abweichende
eigene  Lehre  gesetzt  habe,  einige  Ueberraschung  hervorrufen
könne.  Nicht  in  der  stolzen  Meinung,  sagt  er  dort  (a.  a.  0.
S.  330),  habe  er  sich  so  genannt,  als  ob  Kant,  wenn  er  lebte,
wenn  er  jetzt  unter  den  Versammelten  hervorträte,  ihm  diese
Benennung  unbedingt  bewilligen  würde.  Wie  Vieles,  was  seither ­
  geschah,  würde  Kant  selbst  mit  Kopfschütteln  betrachten!
Die  philosophischen  Compendien  von  heute  (1832)  sähen  denen
aus  der  Kant’schcn  Zeit  nur  wenig  ähnlich,  und  sein  Name
selbst  habe  schon  angefangen,  in  eine  Art  von  historischer  Ferne
zurückzutreten.  Wenn  die  Wissenschaft  einmal  von  Kant’schen
Bahnen  ablenke,  wer  könne  sie  halten?  Nichtsdestoweniger
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