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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

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H  a  u  p  t.

Uebrigens  enthält  die  Meraner  Hs.  ausser  der  E  u  p  h  r  osina
  und  Pelagia  auch  noch  die  Siebenschläfer  und
den  Jüngling  Abraham,  wie  schon  oben  bemerkt  wurde.
IV.  Die  Melker  Bruchstücke  waren  bis  jetzt  eigentlich
unbekannt.  Jos.  Die  me  r,  kleine  Beiträge  etc.,  Sitzungsberichte ­
  Bd.  XI  S.  653—654,  schreibt,  der  hochw.  Herr
Bibliothekar  des  Stiftes  Melk,  Theodor  Mayer,  habe  ihm
26  Pergamentblätter  zur  Einsicht  mitgetheilt,  wovon  14  Bruchstücke ­
  von  geistlichen  Gedichten  und  die  jüngeren  und  zahlreicheren ­
  novellenartige  Erzählungen  von  frommen  Männern
enthalten,  ,die  als  Muster  eines  gleich  gottesfürchtigen  Lebens
dienen  sollen'.  Jos.  Diemer  versprach  in  Bälde  einen  Bericht
darüber,  der  ist  aber  nie  erschienen.  Ich  wandte  mich,  da  ich
nach  Diemers  Angaben  .unter  den  novellenartigen  Erzählungen ­
  Stücke  aus  dem  Buche  der  Väter  vermuthete,  mit  der
Bitte  um  Auskunft  nach  Melk.  Umgehend  übersendete  mir
S.  Hochwürden  Herr  Vincenz  Staufer  die  sämmtlichen
Bruchstücke  deutscher  Dichtungen  der  stiftischen  Bibliothek
und  damit  auch  die  14  Blätter,  von  denen  Jos.  Diemer
zuerst  Nachricht  gegeben  hat. 1  Sie  sind  aus  dem  Buche  der
Väter.  Alle  scheinen  von  Deckeln  abgelöst  und  bilden  1  und
2'  ein  Doppelblatt,  3—10  eine  Lage  und  zwar  die  XII 9 ,  11  —14
die  zwei  inneren  Doppelblätter  einer  und  zwar  der  13.  Lage.
Sie  vertheilen  sich  auf  die  Leipziger  Hs.  folgendermassen:
1  =  70 d  177  —  7  l d  150
2  ==  75°  37  —  76“  8
3-10  =  76 d  173  —  83“  142
11-14  =  85”  83  —  88 d  162
Diese  vierzehn  Blätter  sind  noch  in  der  ersten  Hälfte
des  XIV.  Jahrhunderts  in  der  alten  ursprünglichen  Mundart
sehr  schön  zu  2  Spalten  von  je  41  oder  42  Zeilen  auf  der
Seite  geschrieben,  der  erste  Buchstabe  eines  jeden  Absatzes
abwechselnd  roth  oder  blau,  die  rothen  Ueberschriften  stehen
heraussen  an  den  Rändern.

1  Ich  spreche  S.  Hochwürden  meinen  verbindlichsten  Dank  hiemit  öffentlich ­
  aus,  und  ich  bin  es  überzeugt,  dass  alle  Freunde  unseres  Dichters
meinen  Worten  zustimmen  werden.  Im  Anhänge  zu  diesem  Abschnitte
werde  ich  auch  die  Melker  Bruchstücke  des  Passionais  anzeigen,  die
bisher  eben  so  unbekannt  waren.
            
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